Dänische Kunst

 

Distinguished by steeples, castles, and coolly classic white houses erected after the great fire of 1795, Copenhagen, with a population of about a hundred thousand, was picturesque, and the Royal Academy of Fine Arts, housed in the Charlottenborg Palace, produced, under the aegis of the painter and professor Christoffer Wilhelm Eckersberg, a sudden generation of young painters. Of these, Christen Kobke, a short and staid baker’s son who began to study at the Academy when he was twelve, did not especially stand out. The portraitists Christian Jensen and Willem Marstrand both had reputations higher than Kobke’s; the most famous contemporary Danish artist of all was Bertel Thorvaldsen, a sculptor who lived in Rome. Kobke, who had ten siblings, was a pious self-doubter and, until his wealthy father died in 1843, under no financial pressure to make a splash. He often gave his canvases away as gifts, sold a mere two to the Royal Collection, and was twice rejected for membership in the Academy. In 1848, at the age of thirty-seven, he died, after a decade of family deaths, straitened circumstances, and artistic wane. Only toward the end of the nineteenth century did his reputation begin to revive. Now he is considered the best painter of his age—”The Golden Age” has become “The Age of Kobke”—if not the greatest Danish painter of all time.

Dies schøne dänische ø haben die Amerikaner ja nicht so drauf, bei uns heißt der Kobke immer noch immer Christen Købke. Der Verfasser des Artikels im New York Review of Books ist übrigens kein geringerer als John Updike gewesen. Ich war früher immer wieder erstaunt, wie kenntnisreich er über Kunst schreiben konnte. Updike hat 1993 auch einen Anlass für seinen langen Artikel über Købke: Yet he is still barely known outside Denmark. Sanford Schwartz’s ‚Christen Kobke‘ is the first American book about this painter. The most extensive previous consideration in English was to be found in Kasper Monrad’s fine catalog notes for the Kobke items in the 1984 exhibition at the National Gallery in London, ‚Danish Painting: The Golden Age‘. This fall, a similar exhibit will be coming to the Los Angeles County Museum and then to New York’s Metropolitan Museum of Art.

Ja, der Christen Købke ist schon ein toller Maler. Die dänischen Maler sind sowieso ein wenig unterschätzt. Ich hatte ja schon im letzten Sommer hier über die Maler aus ☛Skagen geschrieben (☛Anders Zorn ist zwar kein Däne, aber den gab es hier auch schon), was vielen Lesern gefallen hat. Ich möchte heute noch einmal auf die dänische Malerei zurückkommen. Weil ich am Wochenende in einer tollen kleinen Ausstellung der Galerie Rieck war, doch davon später mehr. Ich weiß, dass einige meiner Leser auf den angekündigten Artikel über die amerikanischen Luministen warten, aber ich schreibe heute über dänische Malerei des 19. Jahrhunderts. Ich könnte natürlich die Dänen mit den amerikanischen Luministen vergleichen, weil es da interessante Parallelen gibt, aber da lass ich erstmal die Finger von.

Ende der siebziger Jahre war ich in einer schönen Ausstellung in der Kieler Kunsthalle, die Maler aus Skagen: Dänische  Malerei um 1900 der Künstlerkolonie Skagen hieß. Der von mir sehr geschätzte Professor Wolfgang J. Müller hielt eine kleine Einführungsrede, und junge Damen in dänischer Volkstracht servierten Tuborg Bier stilecht aus Tuborg Gläsern. Und aus Skagen hatte man alles Wichtige an Bildern nach Kiel gebracht. Dies war hier nicht die erste Ausstellung dänischer Malerei, 1968 hatte es schon eine mit dem Titel Das goldene Zeitalter der dänischen Malerei gegeben. Seit der dänische Kritiker Valdemar Vedel diesen Ausdruck 1890 verwendet hat, kommt ja keine Ausstellung mehr ohne das goldene Zeitalter aus. Zu dem man dann auch noch Bertel Thorvaldsen und Søren Kierkegaard zählt. Und alle sind sich einig, dass das in der Malerei mit Eckersberg anfing. So schrieb schon 1894 Richard Muther: War diese erste Periode der dänischen Kunst französisch oder classicistisch, jedenfalls importirt, ohne individuelles Gepräge, so leitete mit Eckersberg die nationale Epoche der dänischen Malerei ein.

Das goldene Zeitalter ist wahrscheinlich gar nicht so golden gewesen: Staatsbankrott am Anfang des Jahrhunderts, Bombardierung Kopenhagens 1807, die Cholera in Kopenhagen 1853, Kriege mit Deutschland 1848-51 und 1864. Der Krieg von 1864, den der Dänemarkliebhaber Fontane beschrieben hat, war auch das Thema der nächsten großen Ausstellung in Kiel im Jahre 1981 mit dem Titel Vor hundert Jahren: Dänemark und Deutschland 1864-1900 Gegner und Nachbarn. Die Ausstellung ist danach nach Berlin gewandert, und die Ausstellungsbesprechung, die ich für eine kleine Unizeitung geschrieben hatte, hing fett vergrössert neben der Kasse. Da war ich mal für 15 Minuten berühmt.

Der damalige Direktor, Jens Christian Jensen, war der erste professionelle Direktor der Kieler Kunsthalle, vorher war immer der Ordinarius für Kunstgeschichte an der Universität in Personalunion Direktor der Kunsthalle gewesen. Mit Jensen kam eine neue Zeit. Er brachte die kleine verschlafene Kieler Kunsthalle sehr schnell mit hervorragenden, weithin beachteten Ausstellungen bildlich gesprochen in die Champions League der Kunsthallen, seine beiden Nachfolger haben sie dann später schnell wieder in die Kreisklasse zurückgeführt. Dass es im Jahre 2005 hier eine ganze Menge Købkes in der Ausstellung Die Kopenhagener Schule zu sehen gab, war kein besonderes Verdienst des Direktors. Die Ausstellung kam komplett aus Kopenhagen, man brauchte die Bilder nur an die Wand zu hängen.

Selbst wenn ich niemals in Skagen oder Kopenhagen gewesen wäre, wenn man in Kiel Kunstgeschichte studierte, konnte man der dänischen Kunst nicht entkommen. Ich denke noch mit großer Nostalgie an eine Vorlesung des Kopenhagener Professors Otto Norn und an Exkursionen nach Dänemark im Unibus mit Professor Alfred Kamphausen zurück. Und man konnte damals in dem Land, in dem man keine deutsche Flagge hissen darf, wo es köstliche Røde Pølser gab und wo fünfzig Meter hinter der graense ein riesiges Plakat mit der Aufschrift Lesbiesche Libe auf einen Pornoladen hinwies, auch sehr preisgünstig dänische Kunst in den Antiquitätengeschäften kaufen. Das kann man heute immer noch, aber einen Købke bekommt man natürlich nicht mehr.

Es ist nicht so, dass die dänische Malerei des 19. Jahrhunderts völlig unbemerkt geblieben wäre. Schon 1907 verfasste der dänische Kunsthistoriker und spätere Museumsdirektor Emil Hannover ein Buch mit dem Titel Dänische Kunst des 19. Jahrhunderts, das seit kurzem als Reprint wieder erhältlich ist. Hannover hatte auch schon 1893 das erste Buch über Christen Købke geschrieben, hundert Jahre bevor Sanford Schwartz‘ Buch über Købke bei Rizzoli in New York erschien. 1911 gab es in der beliebten Reihe derBlauen Bücher des Langewiesche Verlags einen Band Arbeit, Brot und Friede: Dänische Maler von Jens Juel bis zur Gegenwart. 1979 erschien bei Seemann in Leipzig ein Band Dänische Malerei 1800-1850 von dem Kunsthistoriker Rudolf Zeitler. Der war von den Nazis aus Deutschland vertrieben worden und war Professor in Schweden geworden. Leider fand das Buch keine größere Verbreitung in Westdeutschland.

Kurz danach veränderte eine große Wanderausstellung alles, die skandinavische Kunst wurde weltbekannt. Da behauptete dann niemand mehr, die dänische Malerei hat keine sehr starke Eigenart, wie es 1928 in der Zeitschrift für bildende Kunst zu lesen war. In Amerika war die Ausstellung am Anfang der achtziger Jahre unter dem Titel Northern Light: Realism and Symbolism in Scandinavian Painting 1880-1910 zu sehen, 1986 war sie auch in Düsseldorf unter dem Titel Im Lichte des Nordens: Skandinavische Malerei um die Jahrhundertwende. Gleichzeitig mit der Northern Light Ausstellung in Amerika gab es in London die Ausstellung The Golden Age of Danish Painting mit dem sehr guten Katalog von Kasper Monrad. Ein Maler wie Vilhelm Hammershoi musste noch einige Jahre warten, bis sich der Ausstellungsbetrieb seiner annahm.

Da ich gerade bei Ausstellungen bin, sollte nicht vergessen werden zu erwähnen, dass in den letzten Jahren eine schöne Ausstellung mit dem Titel Von Kopenhagen nach Skagen. Glanzlichter dänischer Malerei im 19. Jahrhundert in Viborg, Stade, Altona und Rostock zu sehen war. Die Ausstellung zeigte die Sammlung des Privatsammlers Wolfgang Lührs und Bilder aus dem Besitz der Sastre AG. Die Bilder dieser Firma wanderten danach in ein neu gegründetes Museum Kunst der Westküste auf Föhr, das vor kurzem auch vom Bundespräsidenten besucht wurde. Die Sastre AG sitzt in Lausanne und laut Handelsregister ist ihr Tätigkeitsfeldl’administration des collections d’art, la consultation dans le domaine de l’art (Art consulting), tout commerce d’objet d’art et organisation d’exposition.

Hinter dem Ganzen steht aber niemand anderer als Frederik Paulsen jun. mit seinem Pharmakonzern Ferring. Ferring heißt nichts anderes als Föhr, und von dort kam der Vater Paulsens, der den Konzern (und eine gleichnamige Kulturstiftung) gegründet hat. Und jetzt hat der Sohn in der 410-Seelen-Gemeinde Alkersum ein ganzes Kunstmuseum gebaut. Die Sammlung ist nicht unbedingt das Ergebnis lebenslanger Sammlertätigkeit, sie ist in einem Jahrzehnt zusammengekauft worden. Wenn man das Geld und die richtigen Berater hat, dann geht das. Und da Frederik Paulsens Vermögen auf mehr als eine Milliarde Schweizer Franken geschätzt wird, konnte er sich das leisten, der Insel Föhr diese Sammlung zu spendieren.

So etwas liegt natürlich leider etwas außerhalb meiner finanziellen Reichweite. Obgleich ich aus der Verkaufsausstellung der Galerie Rieck, die ich am Wochenende besuchte, gerne etwas mitgenommen hätte (außer der Handvoll Postkarten von Carl Lochers Blauer Stunde). Ich habe ja auch schon eine Handvoll dänischer Bilder. Mein Hans Mathison Hansen war verhältnismäßig preiswert, den schönen Mogens Kragh Pedersen (ein Schüler von Kraesten Iversen) hat mir Heike geschenkt, und das Bild vom Limfjord aus dem 19. Jahrhundert (mit viel Hügeln voller dänischer Heide) hat mich auch nicht ruiniert. Aber am liebsten ist mir ein Bild, das ein unbekannter Däne mit unleserlicher Signatur 1932 vom Horsens Fjord gemalt hat. Hat mich vor Jahren 45 Mark auf dem Flohmarkt gekostet. War deshalb so preisgünstig, weil sich der dänische Händler daran erinnerte, dass ich schon mal was bei ihm gekauft hatte.

So preiswert war das bei der Ausstellung der ☛Galerie Rieck leider nicht. Aber sie hatten erstklassige Bilder, viele große Namen: Vilhelm Melby, Viggo Johannsen, Michael Ancher, Johan Rohde und wie sie alle heißen. Ein Hauch von dem Goldenen Zeitalter der dänischen Malerei plus Skagen (und ein wenig aus dem 20. Jahrhundert). Natürlich auch wenig konventionell Traditionelles wie Frederik Christian Lund und Bilder in der Art von Carl Ludwig Jessen, aber dafür gehe ich eigentlich nicht in eine Ausstellung. Obgleich Stilleben und Genremalerei immer ihre Liebhaber haben. Alles war im exzellenten Zustand und hervorragend gerahmt. Das Sonnenlicht des Frühlingstages und die Ostsee draußen vervollständigten den Eindruck. Die dänische Marinemalerei fehlte auch nicht, nahm einen ganzen Raum ein. Das wunderhübsche kleine Interieurbild von Ludvig Find, in das sich meine Begleiterin spontan verliebte, hing am zweiten Tag schon nicht mehr an der Wand, der Käufer hatte es gleich mitgenommen.

Die zur Zeit umfassendste Monographie zur dänischen Malerei ist In Another Light: Danish Painting in the Nineteenth Century von Patricia Gray Berman, vor vier Jahren bei Thames&Hudson in London erschienen. 272 Seiten, hunderte von Abbildungen und kostet nicht mal ’nen Fuffi. Für Liebhaber dänischer Malerei ein Muss! Frau Berman ist Professorin am Wellesley College, wo ja auch schon Julia Roberts in dem Film Mona Lisa Smile unterrichtet hat.

Wenn ich Sie jetzt mit der dänischen Malerei auf den Geschmack gebracht haben sollte, dann haben Sie (außer dem Kauf des Buches von Patricia Berman) nur noch drei Möglichkeiten. Erstens: Sie machen Ihren nächsten Urlaub auf Föhr und besuchen jeden Tag das Museum Kunst der Westküste. Zweitens: Sie klappern von Aabenraa über Aalborg bis Aarhus jeden Loppemarked (das ist dänisch für Flohmarkt) ab oder folgen diesen hübschen blau-weißen Schildern, auf denen ANTIK steht. Oder drittens: Sie kontaktieren einfach die Familie Rieck über eine Telephonnummer (oder E-Mail) auf dieser ☛Seite. Die sind riesig nett und verstehen viel von dänischer Kunst, sehr viel. Darauf sind sie spezialisiert. Fragen Sie mal, wann und wo die nächste Ausstellung stattfindet.

Und jetzt mache ich mir eine Dose Tuborg auf. Früher war da mal das Bild von Erik Hennigsen (siehe links) drauf, auf dieser leider nicht. Macht aber nix, ist natürlich nicht so stilvoll wie das Tuborg Øl damals in der Kunsthalle, aber ich höre mir jetzt Maggie an, wie sie ☛I skovens dybe stille ro singt. Das ist doch das totale Danmark feeling.
Die Bilder sind von (von oben nach unten) Christen Købke, Vilhelm Melbye, Michael Ancher, Christoffer Eckersberg, Vilhelm Xylander, Carl Locher, Johan Rohde, Johan Thomas Lundbye,Viggo Johansen, Erik Henningsen, Carl Madsen, Constantin Hansen. Und das Gedicht lautet in der deutschen Übersetzung (auch von oben nach unten): Unter der Brücke im Schatten/die Forelle dunkel./Schritte./Unter der Forelle im Licht/der Schatten dunkel.

Über jay

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