Gordon Parks

 

Der amerikanische Jazzmusiker, Komponist, Schriftsteller, Photograph und Filmemacher (habe ich jetzt irgendetwas vergessen?) Gordon Parks ist heute (7.3.2011) vor fünf Jahren im gesegneten Alter von 93 Jahren gestorben. Er war eins der erstaunlichsten Multitalente Amerikas im 20. Jahrhundert. Wenn von dem Photographen Gordon Parks die Rede ist, denkt jeder sofort an dieses Photo. Ein ironischer Kommentar auf Grant Woods American Gothic. Weil jeder das Photo kennt, lasse ich das mal weg und zeige stattdessen dieses hier. 1954 für Life photographiert. Der nette ältere Herr, der aussieht, als ob er kein Wässerlein trüben könnte, ist einer der brillantesten Juristen Amerikas (und mit brillantem Juristen meine ich just dieses, und nicht einen Juristen mit Brillantine im Haar). Er heißt Joseph Welch und ist der juristische Chefberater der US Army in den McCarthy Hearings. Er wird McCarthy zu Fall bringen.

Gordon Parks hat damals einen festen Job bei Life, er ist der erste farbige Amerikaner, dem Life eine solche Stellung anbietet. Philip B. Kunhardt, ein Chefredakteur von Life, hat einmal gesagt, dass die Demütigungen, die der junge Gordon Parks erdulden musste, eine schwächere Persönlichkeit hätten scheitern lassen. Und da muss ich doch, obgleich ich das eigentlich nicht wollte, auf das Photo American Gothic zurückkommen, weil es einen Einschnitt in Parks Karriere als Photograph bedeutet.

Parks war damals gerade in Washington angekommen und arbeitete für Roy Stryker, den Chef der Dokumentarabteilung der FSA. Die Photos der FSA Photographen hatten ihn geprägt, seit er sich im Pfandhaus seine erste Kamera gekauft hatte. Jetzt ist er bei der FSA und zum ersten Mal in Washington, der Wiege der amerikanischen Demokratie, wie er denkt. Stryker schickt ihn auf die Straße, damit er Washington photographiert. Parks muss aber schnell erkennen, dass dies eine Stadt der Südstaaten ist. Voller Rassenhass. Das will er photographieren, to show the rest of the world what your great city of Washington, D.C. is really like. Er ist nicht nach Washington gekommen, um Touristenphotos zu machen. I was furious. I wanted to photograph discrimination.

Roy Stryker sagt ihm, er solle erst einmal einen Plan machen, bevor er mit der Kamera auf die Straße rennt und scenes of injustice and portraits of bigotsablichtet. Stryker liebt es, wenn seine Photographen und Filmemacher ein Konzept haben und nicht einfach an Ort und Stelle photographieren. Stryker rät ihm, die Putzfrau der Behörde zu interviewen. Die Putzfrau heißt Ella Watson, und sie hat – wie man auf dem Bild im Bild erahnen kann – bessere Zeiten gesehen, sie hat sogar die High School besucht. Auf dem Photo lebt ihr Mann noch, er wird das unschuldige Opfer einer Schießerei noch bevor ihre Tochter geboren wird. Ella Watsons Vater war noch gelyncht worden.

Gordon Parks lernt viel aus den langen Gesprächen mit Ella Watson. Er wird mehrere Filme verbrauchen. Eins dieser Photos wird einen ikonischen Charakter bekommen. Dies hier links ist es noch nicht. Wenn er das richtige Bild mit dem richtigen Ausschnitt gefunden hat, gibt er Stryker nur dies eine Bild: In one of the government’s most sacred strongholds, I set up my camera for my first professional photograph. On the wall was a huge American flag hanging from the ceiling to the floor. I asked her to stand before it, placed the mop in one hand, a broom in the other, then instructed her to look into the lens. After placing her photograph on Stryker’s desk two days later, I nervously awaited the verdict. He looked at it and shook his head. „Well, you’re catching on, but that picture could get us all fired.“ Washington now had a black charwoman, standing erectly with mop and broom before the American flag. Her title: „American Gothic“.

Viele Amerikaner werden das Bild 1942 als eine Art Sakrileg empfinden. Viele Amerikaner mögen sowieso nicht, was die Photographen der FSA photographieren. Deren Bild Amerikas, dieser dunkle Spiegel, behagt ihnen nicht. Ella Watson strahlt auf diesem Bild eine stille Würde aus. Sie ist ein Symbol dafür, dass schwarze Amerikaner auch Amerikaner sind. I, too, am America, wie es in dem Gedicht von Langston Hughes heißt:
I am the darker brother.
They send me to eat in the kitchen
When company comes,
But I laugh,
And eat well,
And grow strong.
Tomorrow,
I’ll be at the table
When company comes.
Nobody’ll dare
Say to me,
„Eat in the kitchen,“
Then.
Besides,
They’ll see how beautiful I am
And be ashamed–

I, too, am America.

Über jay

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