Parks




Schreib doch mal über den Rhododendronpark, sagt mir ein Freund aus Bremen, die blühen gerade so schön. Abgesehen davon, dass Allergiker alles, was jetzt blüht mit gemischten Gefühlen betrachten, sind Rhododendren nicht so mein Ding. Und für den Bremer Rhododendronpark kann ich nur auf den  Wikipedia Artikel verweisen, ich war da nur einmal in meinem Leben. Mein Vater liebte das Zeug ja, und so sahen unser Garten und der Garten des Wochenendhauses aus wie der Rhododendronpark en miniature. Ich will nicht sagen, dass ich von den den vielen Rhododendren in meiner Jugend einen bleibenden Schaden davon getragen habe, aber immer wenn ich diese Büsche sehe, denke ich heimlich an eine elektrische Heckenschere. Aber um Peter nicht ganz zu enttäuschen, bleibe ich einmal bei dem Thema Parks, denn davon hat Bremen genug, ganz große wie den Bürgerpark (bürgerpark) und ganz intime kleine wie Knoops Park. Ich habe mir diese beiden ausgesucht, weil sie vom gleichen Gartenbauarchitekten, Wilhelm Benque, gestaltet wurden.

Der ist sozusagen der Capability Brown von Bremen, er hat auch Friedhöfe, wie den Waller Friedhof und den Riensberger Friedhof angelegt (und auch den Kieler Südfriedhof, der erste Friedhofspark nach amerikanischem Muster in Deutschland). Aber irgendwie ist er nicht so recht im Gedächtnis der Bremer. Gewiss, es gibt eine Benquestraße, die von der Parkallee abgeht, aber damit hört es auch schon auf. In der Nähe der Benquestrasse hatten die Nazis einen Bunker in den Bürgerpark gebaut, in dem der letzte Kampfkommandant von Bremen saß. Der wollte sich partout nicht ergeben, obgleich die Engländer schon ganz Bremen besetzt haben. Hat sich dann mit dem Hitlergruß in die Gefangenschaft verabschiedet. Hyde Park Cornerhaben die Soldaten der Somerset Light Infantry diese Ecke des Bürgerparks genannt, und da kommen englische Gartenkunst und der Bremer Bürgerpark wieder zusammen. In den Archiven des Gartenbauamts, das heute modisch fesch Stadtgrün heißt, findet sich der Name Benque, dessen Ideal der englische Landschaftsgarten war, schon. Aber ob der Quetschkommode spielende Kulturminister der Bundesrepublik, der ja aus Bremen kommt, mit dem Namen Benque etwas anfangen kann, das möchte ich bezweifeln.

Wilhelm Benque kommt aus Ludwigslust in MacPomm, wo er eine Ausbildung zum Landschaftsgärtner erhielt, die ihm der Großherzog bezahlte. Mit 23 Jahren war er schon Gutssekretär. Er hat später noch in Berlin Naturwissenschaften studiert. Danach eine Bildungreise, um das zu sehen, was Fürst Pückler, Friedrich Ludwig Sckell und Peter August Lenné angelegt hatten. Also die Heimischmachung des englischen Landschaftsgartens in Deutschland. Seinem Großherzog ist er ewig dankbar gewesen, aber mit der anderen Obrigkeit gerät er schnell aneinander. Er passt sich nicht an, istmeinungsfest, wie es in einer Quelle heißt. 1849 ist er schon aus MacPomm (wie das heute heißt, wobei das Mäck völlig falsch ist: das ein Mecklenburg ist ein Dehnungs-e, es müsste Meeeklenburg heißen) weg. Erst Hamburg, dann England, dann Amerika. Er kommt noch einmal 1851 nach Hamburg zurück, um zu heiraten und seine Frau nach New York mitzunehmen. Er versucht sich in dem neuen Land als Landschaftsgärtner durchzuschlagen. Arbeitet mit dem Bremer Architekten Karl Gildemeister zusammen, der 1852 den Kristallpalast der New Yorker Weltausstellung gebaut hatte. Gemeinsam verfassen sie das Album of Villa Architecture and Landscape Gardening. Was Benque in Amerika wirklich angelegt hat, bleibt unbekannt. Es ist die Rede vom Park in Boston und vom Central Park. Für den hat er auf jeden Fall 1858 beim Central Park Komitee einen Plan (Nummer 35) eingereicht, der viel weiter ging, als das, was sich Frederick Olmstead und Calvert Vaux (Plan Nummer 33) ausgedacht hatten. Es ist nicht auszuschließen, dass er nicht doch später an der Ausführung des Central Parks mitgearbeitet hat.

Aber als der Bürgerkrieg ausbricht, kehrt er nach Deutschland zurück. Weil es in Bremen eine Ausschreibung für den Bürgerpark gibt, der einer der größten städtischen Parks in Deutschland werden soll, das ist er auch bis heute. Seine Bekanntschaft mit Gildemeister, der auch einen Plan des Bürgerparks gezeichnet hat, mag geholfen haben, dass er den Auftrag bekam. Karl Gildemeister ist der ältere Bruder vom Bürgermeister Dr. Otto Gildemeister, dem gebildetsten Bremer im 19. Jahrhundert. Und der Schwiegersohn von Jacob Ephraim Polzin, der schöne klassizistische Bauten in Bremen (und Vegesack) ausgeführt hat. Benque ist zu dieser Zeit wahrscheinlich der am umfassendsten gebildete Landschaftsarchitekt in Deutschland. Er ist nebenbei auch ein grosser Ornithologe. Seine Kenntnis der Vogelwelt hatte ihm in Amerika dazu verholfen, Audubons Birds of America als lithographisches Werk herauszugeben.

Aber seine knorrige Persönlichkeit, ein starkes Selbstwertgefühl, seine meist gutmütige, zu Zeiten aber scharfe Ironie (wie es in denBremischen Biographien des neunzehnten Jahrhunderts so schön heißt), lassen ihn schnell mit den Verantwortlichen des Bürgerparkvereins zusammenstoßen. Als die Vielzahl der Privataufträge, die er nebenbei erledigt, kritisiert wird, verzichtet er auf sein Gehalt als Parkdirektor. Zieht zwischenzeitlich nach Hamburg, kommt aber nach Bremen zurück. Zu seinem achtzigsten Geburtstag gibt es Ehrungen zuhauf. Auch eine Weinspende des Senats. Aber der Ratskellerwein kann den Groll nicht ganz beschwichtigen, den er auf die Bremer hat, weil sie ihn seinen Park nicht so bauen ließen, wie er das wollte.

Das Photo ganz oben zeigt nicht den Bremer Bürgerpark, sondern Stourhead, den wahrscheinlich schönsten Landschaftsgarten der Welt. Fünfmal so groß wie der Bürgerpark. Da gibt es jetzt im Frühjahr auch massenhaft Rhododendren. Ich habe das Photo deshalb genommen, weil dies heute auch ein Geburtstagsgruß an Götz ist, den wahrscheinlich besten Kenner englischer Landschaftsgärten. Happy Birthday!

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