British Painters

Als der englische Kunstverlag Phaidon 1947 das Buch von Richard und Samuel Redgrave A Century of British Painters achtzig Jahre nach seinem ersten Erscheinen wieder auf den Markt brachte, erschien es in der Reihe Landmarks of Art History. Und das nur zu Recht, das Buch ist auch heute noch ein Meilenstein. Dies ist die zweite Auflage von 1981, die an der Auflage von 1947 nicht geändert hat. Denn der Herausgeber der Nachkriegsausgabe, kein geringerer als Ruthven Todd, hatte damals eigentlich ein Buch vorgelegt, das nicht verändert zu werden brauchte. Zwar folgte er der zweiten Ausgabe des Originals von 1890, ließ aber zwei Kapitel weg. Das Kapitel über die Restaurierung von Ölgemälden besaß nach einem halben Jahrhundert keinen aktuellen Wert wert. Und das nachträgliche Kapitel über die Präraffaeliten wirkte wie angeklebt, zumal die Autoren bei ihrem Buch eigentlich die strikte Losung ausgegeben hatten, keine lebenden Maler zu behandeln. Es muss aus Verlagsinteressen von Richard Redgrave geschrieben worden sein, denn sein Bruder und Co-Autor Samuel Redgrave war schon lange tot. Ruthven Todd hat stillschweigend Fehler korrigiert (wie es im Fachjargon so schön heißt), eine Bibliographie und ein Künstlerverzeichnis hinzugefügt. Und Abbildungen, auch wenn die aus Preisgründen eher nach einer Photokopie aussehen.

Aber dafür gibt es andere Bücher, dieses Buch kauft man, weil es eine Fundgrube von Informationen über die englische Malerei von Hogarth, Reynolds und Gainsborough bis zu William Dyce bietet. Viele der behandelten Maler haben die beiden Brüder noch persönlich gekannt, manche waren Kollegen von Richard Redgrave, der als Maler selbst Mitglied der Royal Academy war. Sein Bruder Samuel war ein hoher Staatsbeamter, über den es im englischen Wikipedia Artikel so nett heißt He retired from public service in 1860, and devoted the rest of his life to art. Ja, das hat er getan. Er hat außer diesem Buch noch zahlreiche andere nützliche Bücher zur britischen Kunst verfasst. Man merkt dem Buch an, dass die Verfasser – ausser ihrer persönlichen Bekanntschaft mit Künstlern und Bildern – alles gelesen haben, was es bis zu dem Zeitpunkt zur englischen Kunst gab. Dieses Buch ist die erste seriöse kunsthistorische Darstellung der englischen Malerei in ihrer großen Zeit. Erstaunlich ist die Sicherheit des Urteils der beiden Brüder, vieles, was hier steht, hat auch heute noch Bestand. Der ganze Text ist ein wenig viktorianisch betulich, aber für jeden Liebhaber der englischen Malerei wird die Lektüre ein Gewinn sein.

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