Thomas Gainsborough

Michael Rosenthal und Martin Myrone: Thomas Gainsborough 

Zum dritten Mal in einem halben Jahrhundert hat die Tate Gallery 2002 eine Gainsborough Ausstellung veranstaltet. Dies ist der Katalog der Londoner Ausstellung, die anschliessend nach Washington und Boston weiterreiste. Allerdings waren dort nicht alle Exponate zu sehen. Michael Rosenthal und Martin Myrone haben diesen vorzüglichen Band herausgegeben, der etwas unterkühlt englisch daherkommt, aber forschungsmäßig das Neueste enthält, was die Gainsborough Forschung zu bieten hat. Wenn man sich das Selbstportrait des 13jährigen Gainsborough (Katalognummer 1) betrachtet, möchte man nicht darauf wetten, dass aus ihm einer der berühmtesten englischen Maler werden wird. Mit diesem ersten Bild beginnt auch der Katalogteil des Bandes, der sich an zwei große Übersichtsessays anschliesst. Darauf folgen die Werke (Zeichnungen und Aquarelle inklusive) nicht in chronologischer Reihenfolge, sondern in einer von den Herausgebern selbst gewählten thematischen Ordnung. Die ist manchmal etwas schwer zu durchschauen und lässt wie z.B. Landscape and the Poor Fragen offen. Mir ist bei der Unterscheidung zwischen Portraiture and Fashion und Sensibility inzwischen klar geworden: ist eine elegante Dame ohne Hund dargestellt, landet sie im Kapitel Portraiture, mit Hund ist sie offensichtlich sensibel und kommt ins Kapitel Sensibility. Allerdings sind Mr und Mrs William Hallet, die sehr sensibel wirken und einen Hund beim Morgenspaziergang dabei haben, im Kapitel Portraiture zu finden. Natürlich macht diese Kategorie geistesgeschichtlich einen Sinn, wenn man an die Bedeutung von Henry Mackenzies The Man of Feeling (1771) denkt.

Und natürlich ist der Herzog von Buccleuch, der seinen Wauwi umarmt, in der Rubrik Sensibilty gut aufgehoben (er hätte allerdings auch unter Portraits gepasst). Das letzte Kapitel des Bandes bietet dann die letzten Jahre Gainsboroughs hauptsächlich chronologisch geordnet an. Noch nie war für eine Ausstellung soviel von Gainsborough zusammengetragen worden (und es wird auch nie wieder so viel an einem Ort zu sehen geben), so dass dieser Katalog Gainsborough endgültig jenen Platz zuweist, den ihm viele in seinem Jahrhundert abgesprochen haben.

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