Constable’s Skies

John E. Thornes: John Constable’s Skies: A Fusion of Art and Science 

Das Schönste an den Bildern von John Constable sind die Wolken (also mal abgesehen von dem kleinen Hund auf Willy Lott’s House). Und natürlich sind die Wolken oben auf der Leiste dieser Seite auch von Constable.

Englische Ausstellungen haben schon häufiger Constables Skizzen, bei denen die Wolken eine noch dominierendere Stellung haben, in den Vordergrund gestellt. Es ist einem Außenseiter der deutschen akademischen Zunft der Kunsthistoriker, Kurt Badt, zu danken, dass sich überhaupt mal jemand damit beschäftigt hat. Und das nicht erst in seinem Buch über Wolkenbilder der Romantik (1960), sondern schon 1950 in dem in London erschienen Buch Constable’s Clouds. Aber so etwas liest man damals in Deutschland nicht, damals liest man Hans Sedlmayrs Verlust der Mitte. John E. Thornes, der Verfasser von John Constable’s Skies, hat den Verlust der Mitte bestimmt nicht gelesen, wohl aber das Buch von Kurt Badt.

Thornes ist kein Kunsthistoriker. Er ist der Leiter einer Forschungsgruppe an der School of Geography and Environmental Sciences der Universität von Birmingham. Knallharte Wissenschaft, kein kulturelles Weltuntergangsgeschwafel wie bei Sedlmayr. Thornes hatte 1978 in der Zeitschrift Weather den Vorschlag gemacht, Wetteraufzeichnungen zur Datierung von Constables Gemälden heranzuziehen. Was natürlich nur unter der Prämisse funktioniert, dass Constable „wirkliche“ Wolken malt, keine Phantasiegebilde. Er hat das dann noch einmal in einem kurzen Aufsatz im renommierten Burlington Magazine 1979 wiederholt. Die Kunsthistoriker, die die englische Constable Ausstellung von 1991 machten, sprachen ihn auf seinen Aufsatz an, ob er ihn nicht auf den neuesten Stand bringen wollte? Thornes machte ein ganzes Buch daraus.

Und es ist eins der originellsten Bücher, das je zu Constable geschrieben worden ist. Goethe hat ja viel von der Verbindung von Kunst und Wissenschaft geredet, er konnte das tun, weil er von beidem nichts verstand. Wenn man Hackert für einen bedeutenden Maler hält, glaubt man auch an die selbst gestrickte Farbentheorie. Aber hier in Kapitel 5 wird die Fusion of Art and Science Wirklichkeit. Und das Kapitel 4, das eine Übersicht über den Himmel in der abendländischen Malerei gibt, erspart Kunstgeschichtsstudenten ganze Vorlesungen. Und irgendwie ist diese Buch sehr englisch. Wie das Wetter.

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