Asher B. Durand


I am free to confess I shall enjoy a sight of the sign-boards in the streets of New York more than all the pictures in Europe; and for real and unalloyed enjoyment of scenery, the rocks, trees, and green meadows of Hoboken will have a charm that all Switzerland cannot boast. Was sind das doch für Banausen, diese amerikanischen Maler. Da können sie sich auf ihrer Europareise alle Bilder in London, Paris und Rom angucken und wonach sehnen sie sich? Nach den sign-boards in the streets of New York und den green meadows of Hoboken. Unser heimwehkranker Maler Asher B. Durand ist wenigstens ehrlich. Und patriotisch. Denn die amerikanische Malerei ist in einer Phase, wo sie sich von Europa abgrenzen will. Das Buch von Barbara Novak über die Malerei dieser Zeit heißt nicht aus Zufall Nature and Culture: American Landscape and Painting, 1825-1875.Landschaftsmalerei ist in Amerika plötzlich zu einer Sache geworden, die von nationaler Bedeutung ist, die Nation definiert ihre eigene Kultur durch die Natur.

Die ureigenst amerikanische Natur natürlich, God’s Own Paradise, diese Natur, die niemand sonst hat. Europa erst recht nicht. Wir finden das als wiederkehrendes Thema in der Malerei bei ➱Thomas Cole, in der Dichtung bei ➱William Cullen Bryant, im Roman bei James Fenimore Cooper und in der Philosophie bei Ralph Waldo Emerson. In dem ➱Home Book of the Picturesque: or, American Scenery, Art, and Literature singen die amerikanischen Künstler 1852 beinahe unisono das gleiche Lied. Wir haben in diesem Chor aber auch schon die ersten warnenden Stimmen, die vor dem Raubbau und der Vernichtung der amerikanischen Natur warnen (auf diese Stimmen hat Amerika allerdings nie gehört). James Fenimore Coopers The Pioneers ist, wenn man so will, der erste Öko-Roman. Und auch für den Maler Cole ist die fortschreitende Vernichtung der Natur ein aktuelles Problem.

Diese Verquickung der Künste, die jetzt gemeinsam an der Schaffung einer kulturellen Identität arbeiten, ist ein hochinteressantes kulturelles Phänomen. Die Frage bleibt nur, wie amerikanisch ist diese amerikanische Vision? Gibt es wirklich eine Landschaftsmalerei, die nicht den bildlichen Konventionen Europas folgt? Thomas Cole hatte das in seinen ersten Bildern ja vorgemacht, dass es ein earlier, wilder image geben könnte. Als er aus Europa zurückkommt, ist auf seiner Leinwand davon nichts mehr zu sehen. Thomas Cole hat den Kupferstecher Asher B. Durand mitgenommen in die wilde Natur der Adirondacks und hat ihn zur Landschaftsmalerei gebracht. Von da an hat Durand nur noch Landschaften gemalt und hat nur noch vor der Natur gearbeitet, obgleich man das seinen Landschaften nicht ansieht. Irgendwie scheinen die Franzosen unterplein air Malerei etwas anderes zu verstehen. Denn man muss leider sagen, so ehrlich bemüht Durand ist, seine Landschaften sind konventionell und todlangweilig. Und die Europareise, die ihm einige Mäzene spendiert haben, benutzt Durand nur, um sich möglichst viele Bilder von Claude Lorrain anzugucken.

Durand hat sich theoretisch über die Landschaftsmalerei (wie er sie verstand) in neun Briefen geäußert, die an einen fiktiven jungen Landschaftsmaler gerichtet waren. Er betont dabei, die Notwendigkeit der Zeichnung, die sorgfältige Beobachtung, aber sieht auch die plein air Malerei als quasi religiöses Erlebnis: There is yet another motive to referring you to the study of Nature early—its influence on the mind and heart. The external appearance of this our dwelling-place, apart from its wondrous structure and functions that minister to our well-being, is fraught with lessons of high and holy meaning, only surpassed by the light of Revelation. It is impossible to contemplate with right-minded, reverent feeling, its inexpressible beauty and grandeur, for ever assuming now forms of impressiveness under the varying phases of cloud and sunshine, time and season, without arriving at the conviction, “That all of which we behold is full of blessings,” that the Great Designer of these glorious pictures has placed them before us as types of the Divine attributes, and we were insensibly, as it were, in our daily contemplations, “To the beautiful order of his works learn to conform the order of our lives.”

Ralph Waldo Emerson mit seiner verquasten Naturreligion hätte seine Freude daran gehabt. John Ruskin, den Durand ständig zitiert, sicherlich auch. Denn das Penible der Zeichnung, das Durand von den Landschaftsmalern einfordert (draw with scrupulous fidelity the outline or contour of such objects as you shall select), war immer das Forte des malenden Kunstkritikers Ruskin. Der einmal einen Monat darauf verwendet hatte, alle Dachziegeln korrekt gezählt auf das Dach eines Schweizer Hauses zu zeichnen. Das Einfangen von Farben im wechselnden Licht interessiert Asher B. Durand in seinen Gemälden kaum. Außer in seinen Skizzen, da ist er überraschend gut.

Der Herausgeber von Putnam’s New Monthly Magazine war 1853 bei der Besichtigung der Ausstellung der National Academy of Design gelangweilt: There is still the ‚Landscape-Durand‘. The same birch tree, the same yellow sky, the same mild trees and quiet water. What a mild, quiet, and amiable world is this to Durand! Irgendwie hat er bei der Ausstellung nicht so genau hingeschaut, denn das wichtigste Bild von Durand (das auch an prominenter Stelle hing) erwähnt er nicht. Es hieß Progress, und es ist eins der wenigen Bilder von Durand, die eine symbolische Aussage haben. Ein dunkler Vordergrund, ein heller Hintergrund. Der erhöhte Vordergrund wird durch eine Art Schlucht von dem in der besten Claude Lorrain Manier lichtdurchfluteten Mittel- und Hintergrund getrennt. Die diagonale Kluft, die auf diesem Bild einen Sinn macht, verwendet Durand immer ➱wieder. Der Vordergrund zeigt Amerikas unberührte Natur, der Rest des Bildes zeigt die Segnungen der Zivilisation. Sogar eine kleine Eisenbahn ist auf dem Bild zu erkennen. the landscape of investment hat Linda S. Ferber vom Brooklyn Museum diesen Teil des Bildes genannt. Die Indianer im Dunkel (man muss genau hinschauen, um sie zu erblicken) betrachten den Fortschritt der Zivilisation, der zu ihrer Vernichtung führen wird, mit einer philosophischen Attitüde. Denn das, was sie sehen, sieht in Coopers Roman The Pioneers der Richter Marmaduke Temple (der ein Abbild von Coopers Vater ist) auch vor seinem inneren Auge where others saw nothing but a wilderness, towns, manufactories, bridges, canals, mines, and all the other resources of an old country, were constantly presenting themselves.

Nichts auf dem Bild ist wirklich neu, Indianer, die den Fortschritt der Zivilisation betrachten, und auch Eisenbahnen hat es schon vor Durand auf amerikanischen Bildern gegeben. Neu und irritierend ist an diesem Bild, dass es alles im Licht Claude Lorrains wiedergibt, und dass dies Amerika eher wie eine italienische Ideallandschaft aussieht. Und Durand keinerlei Stellung zum Thema Vernichtung der Natur bezieht. The true province of Landscape Art is the representation of the work of God in the visible creation, independent of man, or not dependent on human action, hatte Durand vier Jahre vor diesem Bild geschrieben. Aber wo ist Gott? In der dunklen Zone des Bildes bei den Indianern? Oder sitzt er in der Eisenbahn?

Das Bild ist für einen Börsenhändler und Eisenbahnunternehmer gemalt worden. Diejenigen, die Amerikas Landschaft zerstören, kaufen sich jetzt ein wenig unberührte Natur auf Leinwand. Gleichzeitig mit dem Höhepunkt der amerikanischen Romantik ist Amerika unter dem Präsidenten Andrew Jackson zu einem Selbstbedienungsladen geworden, die Manifest Destiny zur Staatsreligion.

Asher Brown Durand wurde heute vor 215 Jahren geboren. Er ist neunzig Jahre alt geworden, hat sich aber in all den Jahren nicht wirklich künstlerisch entwickelt. Ein typisches Durand-Bild sieht aus wie ➱dieses hier. Aber da ich keine Lust habe solch langweilige Bilder abzubilden, habe ich mir für die Illustration des Post außer dem BildProgress einige interessante Skizzen des Malers herausgepickt. Und hier zum Schluss mit In the Woods ein ziemlich untypisches Bild. Der Ausstellungkatalog The American Landscapes of Asher B. Durand (1796-1886) von Linda S. Ferber, der 140 Bilder von Durand abbildet, ist die neueste Publikation zu Durand.

Als das Bild Progress fertig war, gab es einen längeren Streit um die Bezahlung zwischen dem Auftraggeber Charles Gould und dem Künstler. Heute ist das Bild mehr wert als im Jahre 1853, es ist vor wenigen Monaten an die Wal-Mart Erbin Alice Walton verkauft worden. Der Verkaufspreis dürfte bei 40 Millionen Dollar gelegen haben. Für beinahe den gleichen Preis hatte Walton vor sechs Jahren Durands ikonisches Bild ➱Kindred Spirits gekauft. Der Dichter William Cullen Bryant war sehr stolz auf das Bild gewesen, das ihn und den Maler Thomas Cole im Zwiegespräch über die amerikanische Natur zeigte. Seine Tochter hatte es 1904 der New York Public Library geschenkt. Die hundert Jahre später nichts anderes im Kopf hatte, als es an die Wal-Mart Erbin zu verscherbeln. disgraceful und distasteful waren die Adjektive, die die Presse für diesen Verkauf fand. Irgendwie sind die Amerikaner doch kulturelle Barbaren.

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