Picasso

Pablo Picasso wurde heute vor 130 Jahren geboren. Jeder kennt ihn, man braucht gar nicht mehr über ihn zu schreiben. Seine Kunst war ja immer ein wenig gewöhnungsbedürftig. Das können meine Kinder auch, konnte man manchmal hören. Wenn eins der Kinder Kieron Williamson heißt, ganz bestimmt. Picasso ist auch über Poster und Drucke weit verbreitet. Ach, der Picasso hängt bei uns auch in der Küche, hört ich einmal einen banausenhaften Professor auf einer Party zur Gastgeberin sagen. Das, was hier im Wohnzimmer hing, war allerdings ein Handabzug des Meisters, signiert und mit Widmung. Es gibt sie doch, die feinen Unterschiede. Falls Sie sich die ganze Zeit fragen, was das Bild da oben soll, das ist ein Picasso! So hat er einmal angefangen. Ist das nicht erstaunlich?

Falls Sie alles über Picasso wissen wollen, dann gibt es das heute nicht bei mir. Sie sollten auch lieber nicht Deutschlands beliebtesten Kunstkritiker Werner Spies lesen, der sein klein bisschen Renommee in dem Kunstfälscherskandal um die Sammlung Jägers vergeigt hat. Nein, es gibt da nur ein Buch, das man lesen muss und das ist von John Richardsons A Life of Picasso. Genau genommen sind es drei Bände; der erste erschien 1991, und die Kunstwelt hofft, dass der inzwischen 87-jährige Autor auch noch den letzten Band vollenden kann. Er hat aber mittlerweile genügend professionelle Helfer für diese Arbeit.

Ich habe ein halbes Dutzend Bücher über Picasso gelesen, aber ich muss gestehen, seine Kunst gibt mir nichts. Ich kenne seine Bilder, aber sie berühren mich nicht wirklich. Ich bin da nicht der einzige: Picasso ist wahrscheinlich das Genie des Jahrhunderts. Obwohl ich neunzig Prozent seines Werkes hasse oder uninteressant finde, hat Francis Bacon gesagt. Was ich immer ganz schrecklich fand, war das Buhei, das man um sein BildGuernica machte. Eine tote dekorative Fläche, in der nichts lebt. Es bekommt jeglichen Sinn, des es haben mag, ja nur durch die Konnotation Guernica. Wenn da als Titel drunter stünde: Odysseus und Telemachos töten die Freier der Penelope würde sich keiner um das Bild kümmern. Aber so etwas zu sagen, erscheint schon beinahe wie ein Sakrileg bei dem Status, den das Bild gewonnen hat. Horst Janssen, der wirklich etwas von der Kunst der Linien versteht, hat süffisant zu dem Bild gesagt: Guernica: flach und leer, ohne Wagnis in der Komposition und hochelegant im Lineament und in der modischen Farbskala: Hintergrund für eine Dior-Revue. Dieser faunische Geist scheiterte am Leiden im Nichtleidenkönnen.

Das einzig schöne Bild, das mir bei Picassos Namen einfällt, ist das Photo von Robert Capa von Françoise Gilot am Strand (oben), wo Picasso den Sonnenschirm für sie trägt. Dieser Augenblick des Glücks, dieses Lächeln von Françoise! Drei Jahre später ist Robert Capa tot, in Indochina auf eine Mine getreten. Und Françoise hat ihren Pablo auch schon verlassen. Manchmal denke ich mir, wenn das Bild größer wäre, könnte ich einen meiner Verwandten auf dem Bild sehen. Der machte in den fünfziger Jahren dort unten immer Urlaub. Nach ein, zwei Jahren kannten er und Picasso sich, grüssten sich, tranken mal einen Cassis oder Pernod oder was weiß ich zusammen. Hat er jemals einen Bierdeckel mit Picassos Kritzeleien aus der Kneipe mitgenommen? Hat er nicht, zu blöd. Soviel zur hanseatischen Zurückhaltung.

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