Adam Elsheimer

Heute vor 401 Jahren ist der deutsche Maler Adam Elsheimer in Rom gestorben; er wurde nur 32 Jahre alt – eine Generation später starb Carel Fabritius im gleichen Alter. Was hätte aus beiden, die erst am Anfang ihrer Karriere standen, noch werden können? Für Elsheimers Freund Peter Paul Rubens war es eine der grausamsten Nachrichten, nämlich des Todes unseres geliebten Adam, der mich auf das schmerzlichste traf. Nach einem solchen Verlust sollte sich unsere ganze Zunft in tiefe Trauer hüllen … Er ist in der ganzen Kraft seines Könnens gestorben und seine Ernte stand noch in ihren Keimen.

Ich nehme mir mal eben Adam Elsheimers Bild von der Flucht nach Ägypten. Ein Bild desgleichen vorhero niemalen gemacht worden, und ein Werk, das in allen Theilen zugleich und in einem jeden besonderlich ganz unvergleichlich ist, wie Joachim von Sandrart schrieb. Es passt auch schön zum dritten Advent. Das Bild wurde 1609 gemalt, es ist wohl das letzte Bild von Elsheimer Es ist auf der Rückseite signiert: Adam Elsheimer fecit Romae 1609. Aber diese Beschriftung stammt nicht, wie man neuerdings herausgefunden hat, von Adam Elsheimer. An der Echtheit des Bildes gibt es aber keine Zweifel. Das Bild hängt heute in München in der Pinakothek.

Es gibt von dem Bild noch zahlreiche Kopien. Damit meine ich jetzt nicht das, was Sie bei kunstkopie.de zum Rabattpreis bekommen. Nein, es sind zeitgenössische Kopien (wie diese hier). Die alle einen Nachteil haben, weil sie nicht vom Original sondern von einem Stich kopiert wurden. Auf dem der Sternenhimmel und die Milchstraße nicht so gut zu sehen waren. Denn das kleine Bild enthält nicht nur eine nächtliche Landschaft mit Mond und der heiligen Familie auf der Flucht, dieses Bild enthält auch Sterne und die Milchstraße. 1609, ein Jahr bevor Galileo Galilei seine Nachrichten von den neuen Sternen publizierte. Seine Funde, mit dem neuerfundenen Teleskop gemacht, hatte der Frankfurter Maler gleichzeitig auf den Nachthimmel seines Bildes gebannt. Die erste Darstellung der Milchstraße in der Malerei. Der Louvre hat auch ein Bild von Elsheimer mit dem gleichen Thema, aber da hat Elsheimer das weggelassen, was dieses Bild einzigartig macht. Nämlich die Milchstraße und die Sterne. Denjenigen, die alles vom Himmel und den Sternen verstehen, sei gesagt: es ist nicht ganz korrekt. Das Sternbild Delphin ist zum Beispiel auf der falschen Seite der Milchstraße.

Das Bild ist auf Kupfer gemalt, nur 30 mal 40 Zentimeter groß. Zu der Zeit bemisst Peter Paul Rubens seine Werke nach Quadratmetern. Aber das kleine Bild hat einen unvorstellbaren Einfluss gehabt. Rubens hat es nach dem Tod von Elsheimer aus dem Nachlass zu kaufen versucht. Er hat auch, wahrscheinlich als Hommage an seinen Freund Elsheimer eine kleine ➱Flucht nach Ägypten gemalt, die heute in Kassel hängt. Da ist der Mond aber nur ein mickriger Halbmond.

Und die Holländer des 17. Jahrhunderts haben bis hin zu ➱Aert van der Neer, der die Mondscheinlandschaft perfektionierte, sich bei diesem Bild bedient. Denn es ist etwas, was die Holländer fortan zu einer eigenen Bildgattung machen, die erste Landschaft mit Mondschein. Rembrandt hat es beinahe kopiert, allerdings den Mond, die Sterne und die Milchstraße weggelassen, das hatte schon Wilhelm von Bode frühzeitig erkannt. Das mit den akkurat gemalten Sternen war ihm wahrscheinlich zu schwierig. Ich verstehe da ja auch nichts von. Der bestirnte Himmel über mir ist mir nicht so klar wie Kant. Ich bin ja schon froh, wenn ich den großen Wagen erkenne. Dabei hätte ich das ja lernen können, wir hatten sogar auf dem Dach unserer Schule ein kleines Observatorium. Und ich hatte mal einen aufblasbaren Plastikball, auf dem der ganze Sternenhimmel drauf war. Aber wenn ich es auch nicht richtig so würdigen kann, dass ein Maler jetzt zum ersten Mal geradezu wissenschaftlich vorgeht und nicht nur nach Belieben Sternchen in den Himmel malt – das Bild von Elsheimer bleibt trotzdem wunderschön.

Die Pinakothek München, die den kleinen Elsheimer besitzt, hat 2005 eine Ausstellung rund um Elsheimers Bild gemacht und alle Bilder versammelt, die Elemente von Elsheimers Bild aufnehmen und zitieren. Das Katalogbuch Von neuen Sternen: Adam Elsheimers Flucht nach Ägypten ist eins der schönsten und bezauberndsten Bücher, die seit Jahren aus einer Ausstellung heraus entstanden sind. Und man erfährt da auch alles über den Sternenhimmel.

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