Nikolaus Pevsner

He looked to me like a kindly postmistress – pink cheeks, gold spectacles, sweet smile, brisk, authoritative manner. Like a postmistress too he worked in a flurry of tiny bits of paper, produced from his pockets, scribbled on in his tiny script and then replaced or handed to a secretary for later action. No remark, no name, no event, no idea passed his attention without this note-taking procedure. He was always serious but never solemn. His curiosity was so tireless and his search for new knowledge so intense it seemed unhealthy. Such dedication made him, I think, a lonely figure. It earned him the reputation of being no more than a walking repository of data. He was a vulnerable man and I think resented the persistence of this false image. Das hat Sir Hugh Casson, der als Direktor des Festival of Britain erste Berühmtheit bekam, über Sir Nikolaus Pevsner geschrieben.

Nikolaus Pevsner wurde heute vor 110 Jahren geboren, er kam vor genau einem Jahr natürlich schon einmal in diesem Blog vor. So ein Datum kann ich natürlich nicht auslassen. Inzwischen wissen wir mehr über ihn, da die Biographie von Susie Harries, Nikolaus Pevsner: the Life, bei Chatto & Windus erschienen ist. Der englische Wikipedia Artikel weiß das schon, der deutsche hat das noch nicht mitgekriegt. Die Biographie ist beinahe tausend Seiten dick, und sie enthält viel Unbekanntes über Pevsner, da Harries Zugang zu seinen unveröffentlichten Heftchen hatte, seinen Tagebüchern, die er seit 1915 vollschrieb.

Er war sein Leben lang ungeheuer fleißig, geradezu verbissen fleißig. So erinnert sich die Architekturhistorikerin Jane Fawcett: During the 13 years that Nikolaus Pevsner ran the Victorian Society, I had the privilege of working very closely with him, both as Secretary of the Society and as one of his students at Birkbeck College. The campaigns that he led to bring attention to the 19th century were memorable. When Nikolaus retired, it was said that he had saved a century. His breadth of scholarship worked on a European scale, and placed British Victorian architecture where it belonged, high upon it. His evening lectures at Birkbeck often lasted three hours, and came at the end of a full day in the office which had begun at 5am. He regularly worked for three hours before breakfast, and then walked to work. He frequently walked home as well. The climax of the academic year was, for his students, a visit to a cathedral, during which the entire building was studied, stone by stone. The last trip of all was a visit to Westminster Abbey, starting at 9am. After an exhausting day, without a break, during which some of the weaker students furtively munched biscuits, the survey was completed. At 4pm, Nikolaus, who had eaten nothing, said, „Now, the monuments.“ At 6.30pm the tour was finished. He was then over 70. Ich weiß nicht, ob ich so etwas überstanden hätte. Bei den Exkursionen des Kunsthistorischen Instituts, an denen ich teilnahm, gab es auch immer Pausen in Landgasthöfen.

Der deutsche Kunsthistoriker hat dem Land, dass ihn aufnahm, viel zurück gegeben. Die Reihe der Buildings of England und die Reith Lectures The Englishness of English Art geben den Engländern eine kulturelle Identität. Stephen Games hat ihn in seinem Buch Pevsner – The Early Life: Germany and Art mit Holbein und Händel, den Königen aus dem Haus Hannover und dem Prinzgemahl Albert verglichen, Deutschen, die die englische Kultur ihrer Zeit geprägt haben. Er hatte aber auch (was auch Susie Harries tut) auf die dunklen Seiten von Pevsner hingewiesen. Diesen Widersprüchen in Leben eines Mannes, der lange die Nationalsozialisten begrüsst und seine Kinder noch 1939 in den Ferien nach Deutschland schickt. Und 1946 in der Uniform eines ➱Colonels zum ersten Mal wieder nach Deutschland zurückkehrt. Der so oft in England durch die Führerscheinprüfung fällt, dass ihm die Fahrschule schon einen Rabatt anbietet. Und der, obgleich längst verheiratet, ständig hinter jungen Frauen her ist.

None of the other nations of Europe has so abject an inferiority complex about its own aesthetic capabilities as England, hatte Pevsner im Vorwort von The Englishness of English Art geschrieben. Der gute Doktor Pevsner hat dafür gesorgt, dass die Engländer ihren architektonischen Minderwertigkeitskomplex losgeworden sind. Wenn sie ihn damals auch nicht wirklich geliebt haben, weil er ihnen immer zu schrullig deutsch erschien, respektieren tun sie ihn heute auf jeden Fall. Schauen Sie einmal in Jonathan Meades‘ ➱Pevsner Revisited hinein.

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