Thomas Rowlandson

Das ist der gute Dr Syntax auf seinem Pferd Drizzle, gezeichnet von ➱Thomas Rowlandson. Die Geschichte seines sentimental journey ist unter dem Titel The Tour of Dr. Syntax in search of the Picturesque zuerst in The Poetical Magazine (1809) erschienen, drei Jahre später kam sie in Buchform auf den Markt. Das Gemeinschaftswerkvon Thomas Rowlandson und dem hack writer Dr William Combe war ein Publikumserfolg. Und da der Karikaturist Thomas Rowlandson heute vor 185 Jahren starb, nehme ich natürlich einen Text von William Combe zu dieser kolorierten Zeichnung da oben als Gedicht des Tages.

I’ll make a tour — and then I’ll write it.
You well know what my pen can do,
And I’ll employ my pencil too: —
I’ll ride and write, and sketch and print,
And thus create a real mint;
I’ll prose it here, I’ll verse it there,
And picturesque it everywhere.
I’ll do what all have done before;
I think I shall — and somewhat more.
At Doctor Pompous give a look;
He made his fortune by a book:
And if my volume does not beat it,
When I return, I’ll fry and eat it.

Dr Syntax ist eine Mischung von Sancho Panza und dem etwas schusseligen und weltfremden Pastor Adams aus Henry Fieldings Roman Joseph Andrews. Henry Fielding wurde heute vor 305 Jahren geboren, ich hätte natürlich heute über den wunderbaren Roman Tom Jones schreiben können. Aber das hebe ich mir für ein anderes Mal auf. Sie können natürlich in den Trailer von ➱Tom Jones hineinschauen und morgen zum Tag des Buches mit der Lektüre anfangen. Oder sich den bei Amazon den ➱Film bestellen.

Ich bleibe heute mal bei Thomas Rowlandson, oder genauer bei einem Deutschen namens ➱Rudolf Ackermann (hier im Bild). Der sich in England (wo er 1809 englischer Staatsbürger wird) natürlich mit einem -ph am Ende schreibt. Denn ohne Rudolph Ackermann wäre Rowlandson nichts, nachdem er sein Erbe von 7.000 Pfund verjuxt hat. Das hat Rowlandson übrigens mit dem Eton-Schüler William Combe gemein. Das Leben des Sachsen Ackermann (der auch  in London die Verbindung zu seinem Heimatland nie abreißen ließ) ist eine erstaunliche success story. Der gelernte Sattler und Kutschenbauer (der sich auch eine ➱Kutschensteuerung patentieren ließ), hatte 1795 in London eine Druckerei und eine Zeichenschule eingerichtet. Wenig später hatte er beinahe den ganzen englischen Markt für Druckgraphik unter Kontrolle. Ab 1809 erschien sein Repository of arts, literature, commerce, manufactures, fashions, and politics, allgemein Ackermann’s Repository oder schlicht Ackerman’s genannt.

Ein Journal, in dem man alles finden konnte, natürlich auch die Mode der Regency Zeit. Die eleganten Damen und Herren des age of elegance (die ➱Dandies natürlich eingeschlossen) konnten sich hier ihre Anregungen für die Inszenierung ihres Lebens holen. Nicht nur durch die Illustrationen der zeitgemäßen Mode, auch die englische Möbelkunst war hier reichhaltig repräsentiert. Wenn man sich mit der Welt des ➱Regency beschäftigt, von Janes Austen bis Beau Brummell, wird man um das Studium vonAckerman’s Repository nicht herumkommen. In dem unübertroffenen ➱Katalog Metropole London: Macht und Glanz einer Weltstadt 1800 – 1840 (es gibt noch preiswerte Exemplare bei Amazon Marketplace) gibt es ein schönes Kapitel zu Ackermann von Simon Jervis, dem Direktor des Fitzwilliam Museum Cambridge.

The Tour of Dr. Syntax in search of the Picturesque ist ein Vorläufer der comic books. Und eine Satire auf William Gilpin, der für die Engländer, insbesonders die reisenden Engländer, den Begriff des ➱picturesque – that kind of beauty which is agreeable in a picture – erfunden hatte. Denn die Engländer ➱reisen jetzt, sie sind allerdings noch nicht der Typ des englischen Inselprollis, der sich im Sommer im Mittelmeerraum findet. Es sind noch mehr oder weniger gebildete Engländer der Oberschicht, die sich auf die aus der Grand Tour entstandenen Bildungsreise durch Europa begeben. Das ästhetische Rüstzeug dazu haben sie dank ➱Burkes sublime and beautiful und Gilpins picturesque im Handgepäck. Dass sie manchmal, wie hier in der Illustration von Rowlandson, unter die Räuber fallen, muss man einkalkulieren. Heute sieht die humoristische Behandlung der englischen Reiselust etwas anders aus als bei Rowlandson und Dr Combe. Schauen Sie doch einmal bei YouTube in die BBC Serie ➱Little Britain Abroad hinein. Geschmacksloser geht’s nimmer, dagegen ist Carry On Abroad noch high culture. Schauen Sie doch ➱hier einmal hinein.

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