Sacramento

Ja, so wollen wir ihn sehen: deutsch und energisch in die Zukunft schauend. Wir sind im Jahre 1936, da hat man noch Träume. Allerdings sind weder Darsteller noch Dargestellter deutsch. Luis Trenker ist Österreicher, und der sogenannteKaiser von Kalifornien Johann August Sutter – der heute vor 210 Jahren geboren wurde – kommt aus der Schweiz. Der Film Der Kaiser von Kalifornien von Luis Trenker – wenn man so will ein deutscher Western – hat auch Sutters Lebensgeschichte ein klitzeklein wenig geschönt. Aber dennoch schrieb Joe Hembus in seinem Western-LexikonDer Kaiser von Kalifornien ist trotz der deutschen Western-Schwemme der sechziger Jahre einer der besten deutschen Western geblieben: Rhythmus und Realismus der Reise nach Kalifornien, der Massenszenen beim Aufbau von Nova Helvetia und der Szenen auf den Goldfeldern sind allem, was vergleichbare deutsche und sogar die meisten amerikanischen Produktionen der Zeit zu bieten hatten, weit voraus.

Joe Hembus kann man eigentlich immer vertrauen. Wenn Sie Western Fan sind, sollten Sie unbedingt versuchen, noch ein Exemplar der alten Ausgabe des Hanser Verlages von seinem Western-Lexikon zu bekommen. Der Kaiser von Kalifornien ist ein deutscher Western, hervorragend photographiert, gedreht beinahe an Originalschauplätzen. Kaum Studioaufnahmen, ein Bergfex wie Trenker braucht die Naturkulisse. Abenteuer und Sentimentalität, was will man mehr? Es ist auch nach über 75 Jahren immer noch ein beeindruckender Film. Nur dass er kein richtiges Bild von dem Schweizer Johann August Sutter zeichnet, auf dessen Ländereien man 1848 Gold fand.

Der Goldrausch, bei dem Hundertausende wie eine biblische Heuschreckenplage über Sutters Kolonie Neu-Helvetien herfielen, hat eine breite Spur in der Popular Culture hinterlassen. Von Songs wie My Darling Clementine bis zum Hamburger Veermaster. Ich weiß nicht, ob das den Shanty Chören, die das mit seemännischer Verkleidung (Buscheruntje und Prinz Heinrich Mütze) bewusst ist, die hingebungsvoll Ik heff mol en Hamburger Veermaster sehn singen. Was übrigens eine plattdeutsche Version des englischen Shanties The Banks of Sacramento ist. Ich habe das schon vor Jahren in ➱Charlie Parker spielt La Paloma erwähnt. Und wir alle wissen seit Kindertagen: there’s plenty of gold, so I’ve been told, on the banks of Sacramento. Das Bild hier ist von einem Maler namens Charles Christian Nahl. Es heißt Sunday Morning in the Mines, vielleicht hat es wirklich in der Mitte des Jahrhunderts am Sonntagmorgen in Kalifornien so ausgesehen. Denn Charles Christian Nahl, der 1818 als Carl Christian Heinrich Nahl in Kassel geboren wurde, gehörte zu denen, die der Goldrausch nach Kalifornien getrieben hatte.

Das Leben in Kalifornien ist ja nicht ungefährlich, wie dies Bild von dem kalifornischen Pionier Peter Quivey mit einem frisch erlegten Berglöwen zeigt. Es liegt eine biedermeierliche Ruhe über den Bildern von Nahl. Das schätzte man offensichtlich, der Künstler hatte mit Szenen aus Kalifornien sein Auskommen. Der Sunday Morning in the Mines ist allerdings (wie das Komplementärbild ➱Saturday Evening in the Mines nicht 1848, sondern erst 1872 gemalt worden (der Berglöwe stammt aus dem Jahre 1857), vielleicht verschönt da die Erinnerung an die Vergangenheit die Ereignisse.

Luis Trenkers Film Der Kaiser von Kalifornien kostet bei Amazon 9,99 €. Und wenn Sie noch einen sehr interessanten Artikel zu dem Film lesen wollen, klicken Sie den Aufsatz Nazis on the ranch? Revisiting the popular German Western ‚Der Kaiser von Kalifornien‘ (1936) and the International Aspirations of Third Reich Cinema von ➱Tobias Hochscherf an.

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