Sir William Beechey

Nein, das ist nicht Englands Aristokratie im Krieg, man übt nur ein wenig, mit diesen schönen roten Uniformen auf dem Pferd zu sitzen. King George III and the Prince of Wales Reviewing the 3rd (or The Prince Of Wales’s) Regiment of Dragoon Guards and the 10th (Or The Prince Of Wales’s Own) Regiment of (Light) Dragoons heißt das Bild. Es brachte seinem Maler William Beechey einen Adelstitel ein. Er ist der erste englische Maler nach Sir Joshua Reynolds, der so ausgezeichnet wird. Und der König bewirkt sogar Beecheys Aufnahme in die Royal Academy. Darauf musste John Constable ein Leben lang warten.

Joshua Reynolds hatte den Begriff des grand style für die Malerei eingeführt, der zuallererst für die Historienmalerei galt, aber auch auf die Portraitmalerei übertragbar war. Das Bild von Beechey (hier eine Kopie), das Reynolds Forderungen umsetzt, war zu schnell gemalt. Nach wenigen Jahren fielen die ersten Farbbrocken von der Leinwand (das taten sie übrigens bei Reynolds auch). Benjamin West und Beechey erhielten 1804 und 1817 Aufträge zur Restauration des Gemäldes. Eigentlich ist alles auf dem Bild falsch: Although a clever and somewhat showy group of portraits, it has little of real nature, and is full of painters‘ artifices. It attracted, however, much attention at the time, sagen ➱Redgrave und Redgrave in A Century of British Painters. Die Formulierung much attention ist untertrieben, das riesige Gemälde war das Stadtgespräch in London, alle Zeitungen berichteten darüber. Künstlerisch hält es aber keinen Vergleich mit John Singleton Copleys ➱Bild The Defeat of the Floating Batteries at Gibraltar, September 1782 aus.

Wir sind auf keinem der Schlachtfelder der englischen Kriege des 18. Jahrhunderts, dies ist nicht Ramillies, Malplaquet, Blenheim oder Hastenbeck. Wir sind im Hyde Park. Könige wie George III führen jetzt keine Heere mehr an. George II war in ➱Dettingen, der letzte, der das tat. Aber wenn man gerade Sir William und Hofmaler der Königin Charlotte geworden ist und dann noch RA hinter seinen Namen schreiben darf, dann malt man nicht mehr die Wirklichkeit. Dann malt man seine Kunden, wie sie aussehen wollen (das Erfolgsrezept der englischen Portraitmalerei des 18. Jahrhunderts). Und am besten quadratmetergroß.

Wahrscheinlich war George III noch nie so schlank – und der Prince of Wales noch nie so schön – wie auf diesen Bildern. Seine Eltern hätten William Beechley gerne als Notar gesehen, aber die Ausbildung gefiel ihm nicht: his disgust for his original profession increased, and he determined to change his pen for the pencil, his ink-stand for the colour-box, and his desk for the easel. Er hat keine so großartige Ausbildung, er beginnt als carriage painter, bevor er Schüler an der Royal Academy wurde. Man vermutet, dass er bei Johann Zoffany gelernt hat, weil er in dessen Stil seine ersten Portraits malt. Joseph Farington, der unermüdliche Chronist der Zeit, schreibt 1795 in sein Tagebuch, dass ihm der Maler John Opie sagte: [Beechey’s] pictures were of that mediocre quality as to taste & fashion, that they seemed only fit for sea Captains & merchants: whereas Lawrence and Hoppner had each of them a portion as it were of gentility in their manners of painting. Doch Beechey malt keine Captains & merchants, er malt Admiräle und Lord Nelson. Und den Herzog von Wellington.

Diese mediocre quality, die Opie beklagt, ist das, was dem König, der den Spitznamen Farmer George hat, gefällt: etwas Einfaches, keine große Kunst. Nicht so etwas Extravagantes wie Hoppner und Lawrence. So schreibt ein Kritiker 1796 im Monthly MirrorBeechey has fewer eccentricities than his competitors for he never distorts his figures for the sake of extravagant attitude he is less fantastic in his design and less exuberant in manner, in short, he has more nature than the other two… Beechey, who is more fixed and determinate, both in his colouring and outline, studies only to be chaste. Nothing will better ascertain this than a comparison of his portraits of Sir Phillip Stephens and Lady Young with Hoppners Duke of Bedford and Lady Charlotte Campbell and Lawrences Duke of Leeds and Miss Ogilvie.

An John Singleton Copley (der hier die Töchter des Königs gemalt hat) vergibt George III ungern einen Auftrag, weil der ein Amerikaner ist. Auch wenn George ein halbwegs gebildeter Mann ist, den schlechten Geschmack der Hannoveraner auf Englands Thron hat er geerbt. Farington weiß auch zu berichten, dass der König Beechey nicht wegen seiner Kunst in die Royal Academy befördert hat: the King says Beechy was not elected an Academician because he is the best painter. Aber der König kommt mit dem stets vergnügten Beechey, der auch im Palast übernachten darf, gut zurecht. Im Nachruf der Times wird 1838 stehen, dass die leading features in [his] character were a genuine simplicity in mind and manner, united with a frankness and cheerful urbanity gewesen seien. Zehn Jahre nach seinem kometenhaften Aufstieg verliert Beechey die Gunst des Königs. Es gibt unschöne Szenen (vielleicht macht sich Georges Geisteskrankheit wieder bemerkbar), in denen der König aufbraust: West is an American, & Copley is an American, & You are an Englishman, and were you all at the Devil I should not care. Der König ist mit seinem Gefühlsausbruch ganz zufrieden: He would throw himself in my way and I am glad I have given it to him. Beechey soll nur still zurückgetreten sein, seine Schnupftabakdose herausgeholt und gesagt haben: I have had enough to last me a lifetime.

Es liegt eine gewisse Tragik darin, dass sich John Singleton Copley bei den wechselnden Launen des Königs bei Hof nicht durchsetzen kann. Vielleicht hätte er die Prinzessinnen lieber so malen sollen, wie er hier seine Familie gemalt hat. Einfach und klar. Jetzt, wo er für den König arbeitet, will er alle Register ziehen. Die Kritik an dem Bild folgt prompt: Is it, Mr Copley, because you have heard that fine feathers make fine birds that you have concluded that fine clothes will make fine princesses? What delightful disorder! Why, you have plucked up harmony by the roots and planted confusion in its stead! Princesses, parrots, dogs, grapes, flowers, leaves, are each striving for pre-eminence and opposing with hostile forces all attempts of our wearied eyes to find repose.

Hier spricht nicht der englische König, hier spricht Copleys Kollege John Hoppner. Aber die Worte könnten auch von George III sein. Hoppner ist für seine scharfe Zunge bekannt, der Günstling des Königs (den man eine Zeit lang für einen illegitimen Sohn von George III hielt) kann sich das erlauben. Er lebt schon lange am Hof, seine aus Deutschland stammende Mutter gehört zu den Bediensteten der Königin und genießt das Vertrauen von Queen Charlotte. Natürlich führt ihm der Neid die Feder. Hätte er die Prinzessinnen anders gemalt? So wie hier auf dem Detail des ➱Bildes von 1791 seine eigenen Kinder?

Ganz anders als John Hoppner urteilt Sir Sacheverell Sitwell über Copleys Kinderbild: As a picture of children it is pure enchantment. The freshness and liveliness of the young princess at the left is more beautifully rendered than any picture of children by Raeburn. Er muss das wahrscheinlich sagen, denn die Sitwells haben auch einen Copley zu Hause. Nämlich dies bezaubernde conversation piece, das im Wohnzimmer von Renishaw Hall hängt. Copley hat es ein Jahr später als das Bild der Töchter des Königs gemalt.

I can never equal that sagte John Singer Sargent, als er 1899 den Auftrag bekam, die Sitwell Familie zu malen. Aber Sargents Bild ist natürlich auch nicht schlecht. Die junge Dame im roten Kleid ist übrigens Edith Sitwell (Sacheverell ist einer der beiden Zwerge auf dem Fußboden), die wir als Verfasserin von The English Eccentrics kennen. Der Bildtyp der letzten fünf Bilder heißt bei den Kunsthistorikern conversation piece, dazu können Sie ➱hier mehr lesen. Und ja, ich weiß, dass das alles nichts mit William Beechey zu tun hat. Aber ich schreibe schließlich zu meinem (und hoffentlich auch zu Ihrem) Vergnügen, und Beechey ist ein so langweiliger Maler, dass ich jede Chance für eine kleine Abschweifung nütze.

William Beechey (der heute vor 260 Jahren geboren wurde) vermeidet Copleys Fehler der zu großen Extravaganz, er könnte auch niemals so malen wie Copley. Er bedient sich bei seinen Portraits halbwegs geschickt bei den großen Könnern der englischen Portraitmalerei des 18. Jahrhunderts. Leider ist das Ergebnis ziemlich flach. Das Pferd im Hintergrund bei dem Portrait von George III findet sich auf einer Vielzahl von Bildern in der Zeit, aber nirgends so überzeugend wie auf diesem Bild von ➱Sir Henry Raeburn. Und George zu Pferde in dem Bild ganz oben haben wir schon so ähnlich in dem ➱Bild von George II bei Dettingen gesehen. Angeblich hat Beechey die Truppenparade im Hyde Park selbst beobachtet:

At this time (1794) Mr. Beechey had a cottage at Craven Hill, near Bayswater, and was in the habit of passing through the park every morning on his way to Great George Street. On one of these occasions it happened that the King was reviewing the Household Troops. He was mounted on his favourite white horse, Adonis, and was attended by the Duke of York and Generals Fawcett, Dundas and Goldsworthy. 

The day was fine, and the exhibition so agreeable to the painter that he remained to witness the evolutions; and having made a sketch of the scene, with the portraits of the King and the Duke of York in the foreground, he took an early opportunity of showing it to His Majesty, who was pleased to give him a commission to paint a picture in which the figures should be represented the size of life. This he accordingly did, so much to the satisfaction of his patron that he not only paid him liberally for his labour, but conferred on him the honour of knighthood. . . This was an arduous undertaking, and is, so far as we are aware, almost the only work of its kind which has been produced in England at the time at which it was painted. The horses, although Mr Beechey had had little practice in animal painting, are as faithful and spirited portraits as their riders; every facility for his achievement of the task he had undertaken having been afforded to him by His Majesty. The picture occupied, when exhibited, a large portion of the end of the great room of the Academy.

Allerdings wird er mit dem Bild noch gewaltigen Ärger haben. Auf Wunsch der Königin Charlotte malt Beechey nämlich den Prinzen von Wales mit in das Bild, seinen Säbel in einer geradezu lächerlichen Pose schwingend: The King’s dislike to his eldest son is too well known to be dwelt upon here; the presence of the Prince in this great picture is accounted for in the following manner. When the work was nearly finished, the Queen came into the studio and the artist said to her: „Now what I should like to do, and what would be the making of the picture would be to put the Prince of Wales on his black horse behind His Majesty’s white one, but I should never dare to do it.“ So the Queen said „Oh, do, just dash it in for rae to see,“ Sir William said it was as much as his life was worth to do it, but Her Majesty exclaimed, „Never mind, I will be responsible,“ anil so it was done. Soon afterwards the King came in with his cheery greeting of „Well, Beechey, how are you — ? What, what, what ! What’s that Beechey? Nonsense, I won’t have it !“ And ere he could make a reply the Queen said it was her doing, but he was very wroth and ordered it to be stripped off the frame and burnt; of course the artist obeyed, and thought it was sent away to be burnt, but the Courtier who took it kept it, and two years after which the King was reconciled to his son he asked where the picture was, „Didn’t you finish it Beechey?“ and when he was reminded of the incident he could not recollect it at all.

Der Wunsch seiner Majestät, dass das Bild mit dem ungeliebten Sohn verbrannt würde, ist zweihundert Jahre später Wirklichkeit geworden. Das Bild ist bei dem Feuer von Windsor 1992 verbrannt, es war wohl zu groß, um es schnell von der Wand des State Dining Room zu kriegen. Es war das einzige Gemälde, das verbrannte. Es wäre ja nicht so schade um dieses Bild gewesen, wenn man es nicht mehr sehen könnte.

Aber das National Army Museum besitzt noch eine kleinere ➱Kopie (die immerhin noch 282.5 x 344.7 cm groß ist). Die Kopie ist wohl von seinem Sohn George Beechey gemalt. Und es gibt noch mehr Kopien von dem Bild (das ➱Department for Transport besitzt auch eine), auf einer ist der Prince of Wales nicht zu sehen. Die hatte der König extra anfertigen lassen, um sie dem Premierminister Henry Addington zu schenken. Das Bild, das endlich seine Bestimmung im Feuer gefunden hatte, bekam durch die Berichterstattung eine große Bekanntschaft. Die Preise für ➱Kupferstiche von dem Bild aus dem 18. Jahrhundert stiegen plötzlich enorm. In Weymouth hat man eine Kopie des Mittelteils des Gemäldes, worauf man sehr stolz ist: There will be core displays, one of which will be our large restored painting of George III on a horse. That picture now has national importance after the original by William Beechey was destroyed in the great 1992 fire at Windsor Castle. As far as we know, our c1800 copy by Beechey is the only one left in existence.

Das mit der national importance sollten sie sich in Weymouth noch einmal überlegen. Von Sir William Beecheys (hier ein Selbstportrait) Ruhm, der zu seinen Lebzeiten erstaunlich groß war, ist wenig geblieben. David Bindmans Thames and Hudson Dictionary of British Art hat für ihn gerade mal fünf Zeilen übrig. Reynolds bekommt zwei Seiten, Constable übrigens nur eine. Erstaunlicherweise wird sich Sir William Beechey immer dafür einsetzen, dass Constable in die Royal Academy kommt.

So gering sein eigenes Talent ist, das Talent von Constable erkannte Beechey durchaus sehr früh. 1831 ist ein Schicksaljahr für Constable, seine Frau ist gerade gestorben, er kränkelt das ganze Jahr über. Malt aber Salisbury Cathedral, wo der Himmel so verdüstert ist wie sein Geist. Und er bekommt Besuch von Sir Willliam Beechey, der ihm Mut zuspricht, wie Constable im März schreibt: Beechey was here yesterday, and said, ‘Why damn it Constable, what a damn fine picture you are making, but you look damn ill – and you have got a damn bad cold.’ So you have evidence on oath of my being about a fine picture & that I am looking ill.

Von Sir Williams achtzehn Kindern werden außer George Duncan Beechey noch zwei Maler werden: Frederick William Beechey und Richard Brydges Beechey. Wobei die Karrieren der beiden letzten (die es bis zum Admiral bringen werden) wesentlich interessanter sind als die von George, dem wir ein langweiliges Buch über Joshua Reynolds verdanken (➱hier im Volltext). Auf ➱dieser Seite der BBC können Sie sich 177 Bilder von Beechey anschauen. Danach werden Sie glücklich sein, Bilder von ➱Reynolds, ➱Gainsborough, ➱Raeburn oder ➱Lawrence zu betrachten.

Und wenn Sie mehr zu John Singleton Copley lesen wollen, dann klicken Sie ➱John Singleton Copley: sharks & squirrels, ➱John Singleton Copley in England und ➱Hoya an.

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