Wilhelm Busch

Wilhelm Busch wurde am 15. April 1832 geboren, diesen Tag können wir nicht auslassen, ohne hier ein Gedicht von ihm zu präsentieren. Wir verdanken ihm Weisheiten wie Dies ist ein Brauch von alters her. Wer Sorgen hat, hat auch Likör oder Rotwein ist für alte Knaben eine von den besten Gaben. Was natürlich vermuten lässt, dass er Alkoholiker war. Er war auch ein starker Raucher (man kann die Tabakpfeife hier an seinem Arbeitsplatz sehen), aber sechsundsiebzig Jahre alt ist er immerhin geworden.

Ganze Generationen sind mit seinen Geschichten aufgewachsen und haben heute immer noch Wilhelm Busch Zitate parat. Nicht jeder Deutsche mochte den Zeichner und Maler. Abends Lektüre von Buschs ‚Humor. Hausschatz‘ – eher verstimmend, notiert Thomas Mann in seinen Tagebüchern. Und sein Sohn Golo wollte dem Vater nicht nachstehen und schrieb: Die Leute genossen die Werke des nur scheinbar heiteren, unergründlich boshaften, menschenfeindlichen Humoristen mit nie versagender Freude.

Aber die Krone der Miesepetrigkeit gebührt sicher einem deutschen Schriftsteller, dessen Werk nicht unbedingt viel Humor zeigt. Ja, es ist unser Nobelpreisträger Heinrich Böll, der diagnostizierte: aber das nationale Unglück der Deutschen wollte es wohl, daß ihre Vorstellung von Humor von jemand bestimmt werden sollte, der verhängnisvollerweise Wort und Bild miteinander verband: von Wilhelm Busch. Ich halte das für ein Verhängnis. Zur Wahl stand Jean Paul, ein Humaner, der Humor hatte, gewählt aber wurde Busch, ein Inhumaner, der sich selbst illustrierte, es ist der Humor der Schadenfreude, des Hämischen, und ich zögere nicht, diesen Humor als antisemitisch zu bezeichnen, weil er antihuman ist. Es ist die Spekulation auf das widerwärtige Lachen des Spießers, dem nichts heilig ist, nichts, und der nicht einmal intelligent genug ist, zu bemerken, daß er in seinem fürchterlichen Lachen sich selbst zu einem Nichts zerlacht. Ja, was sagen wir dazu? Er hätte es mit Wilhelm Busch kürzer sagen können: Wenn mir aber was nicht lieb, Weg damit! ist mein Prinzip.

Alles, was wir über Buschs Leben müssen, hat er auf einer Seite Papier selbst gesagt: Kam in den 50er Jahren nach München. – Zeichnete im Künstlerverein Jung-München viel persönliche Karikaturen. Von 1859? an beginne ich für die »Fliegenden« Texte zu illustrieren, die mir gegeben wurden. Bald aber hatte ich eigene Einfälle. Machte auch Gedichte für das Blatt, z.B. Lumpenlieder (von W. Diez illustriert), der harte Bleistift usw. Mein Monogramm (WB) setzte ich nicht immer dabei.

Die Bilderbogen und größeren Bildergeschichten entstanden so, daß zuerst die Zeichnungen gemacht und nachträglich die Verse dazu geschrieben wurden, also umgekehrt wie beim Illustrieren. Max und Moritz, Schnurrdiburr usw. erschienen noch im Verlag von Braun & Schneider, nur gab ich inzwischen einen Bilderbogen ans »Daheim«; den Hans Huckebein, das Bad am Samstagabend an »Über Land und Meer« und die Bilderpossen (Sie gingen nicht) an den Verleger Richter. So arbeitete ich bis Ende der 60er Jahre fast nur für Braun & Schneider. Ungefähr zur Zeit der Unfehlbarkeitserklärung kam der Heilige Antonius bei Schauenburg in Lahr heraus. (Wurde angeklagt, aber freigesprochen vom Schwurgericht in Offenburg-Baden.) Von nun an erschienen alle meine Sachen, Fromme Helene usw., in der Fr. Bassermannschen Verlagsbuchhandlung. (Ausgenommen etwa ein Bilderbogen für den Kladderadatsch und einige Zeichnungen in Kunst für Alle.)

Einen Heiligen Antonius, alte Schrift, Zeichnungen etwas verändert und koloriert, Pergamenteinband, außerdem die Entwürfe zu Fromme Helene und Bilder zur Jobsiade schenkte ich an Frau Johanna Keßler in Frankfurt a/M., die auch zwei von mir modellierte Büsten in Gips, Silhouetten und einige Ölbilder von mir besitzt. Was ich ehedem sonst noch zu malen versuchte, ist im Besitz von Verwandten. – Alle Überreste aus Skizzenbüchern hab ich meiner Schwester Fanny geschenkt. – Manches ist verstreut, ich weiß nicht wohin.

Das Gedicht des Tages kommt aus dem Nachlass von Wilhelm Buch. Es hat den Titel Fink und Frosch. Die letzte Strophe ist mir die liebste, ich zitiere sie seit einem halben Jahrhundert. Passt immer.

Im Apfelbaume pfeift der Fink

Sein: pinkepink!

Ein Laubfrosch klettert mühsam nach

Bis auf des Baumes Blätterdach

Und bläht sich auf und quackt: »Ja ja!

Herr Nachbar, ick bin och noch da!«


Und wie der Vogel frisch und süß

Sein Frühlingslied erklingen ließ,

Gleich muß der Frosch in rauhen Tönen

Den Schusterbaß dazwischen dröhnen.


»Juchheija heija!« spricht der Fink.

»Fort flieg ich flink!«

Und schwingt sich in die Lüfte hoch.


»Wat!« ruft der Frosch, »Dat kann ick och!«

Macht einen ungeschickten Satz,

Fällt auf den harten Gartenplatz,

Ist platt, wie man die Kuchen backt,

Und hat für ewig ausgequackt.


Wenn einer, der mit Mühe kaum

Geklettert ist auf einen Baum,

Schon meint, daß er ein Vogel wär,

So irrt sich der.

Das ist, wenn ‚Tobias Knopp‘ ein Epos ist, eine Tierfabel. Das ideelle und metaphorische Moment liegt in der traditionellen Tierfabel in der Vorstellung vom stellvertretenden Reden. Frosch und Vogel würden dann typische Verhaltensweisen bedeuten in einem festgelegten überschaubaren sozialen Bereich. Die Idee des Fliegenkönnens stünde der des Kriechenmüssens entgegen. Der versuchte Tausch könnte nur die Diskrepanz aufdecken. Sagt Helmut Heissenbüttel. Danke. Wäre nicht nötig gewesen. Man kann Wilhelm Busch ohne Exegeten verstehen. Das ist das Schöne an ihm.

Alle Bilder sind von Wilhelm Busch, der die alten Holländer liebte und auch ein guter Maler war. Das habe ich zum ersten Mal in Bremen bestaunt, als die Kunsthalle seine Zeichnungen und Gemälde ausstellte. 1975 gab es eine Ausstellung im Wilhelm Busch Museum, und seitdem hat es eine Vielzahl von Ausstellungen gegeben, die den Maler Wilhelm Busch (der leider den größten Teil seines Werkes vernichtete) vorstellten. Das umfangreichste Verzeichnis findet sich in Hans Georg Gmelins Buch Wilhelm Busch als Maler. Mit einem vollständigen Werkverzeichnis nach Vorarbeiten von Reinhold Behrens (425 Seiten mit zahlreichen Schwarzweiß- und Farbabbildungen). Man kann das Buch noch beim ZVAB finden.

Über jay

Literatur-Kunst-Film-Mode-undsoweiter
Dieser Beitrag wurde unter Uncategorized veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s