Pop

 

Heute vor drei Jahren ist er gestorben, er wurde beinahe neuzig Jahre alt. Das Bild, womit er Geschichte machte, lag da schon lange zuück. Sagt Ihnen der Name Richard Hamilton noch etwas? Aber dieses Bild kennen Sie doch? Es hat den Titel Just what is it that makes today’s homes so different, so appealing?, wurde 1956 in der Ausstellung This is Tomorrow gezeigt. Es ist ziemlich klein, gerade mal 25 mal 26 Zentimeter groß. Obgleich es so klein ist, hat es in der Kunstwelt doch eine große Bedeutung.

Der Mr Universe auf dem Bild hält einen Tennisschläger in seiner Hand, eingewickelt in orangefarbenes Papier mit der Aufschrift Tootsie POP. Ein Produkt namens Tootsie Pops hat es übrigens wirklich mal gegeben. Kein Kritiker hat bei der Beschreibung dieses Bildes das Wort Phallussymbol ausgelassen. Die junge Dame, die sich da so lasziv räkelt gab es in der Wirklichkeit auch. Es ist die amerikanische Malerin Jo Baer, die sich in ihrer Jugend als Pin Up Girl etwas dazu verdiente. Kunsthistoriker haben inzwischen jeden Gegenstand aus der schönen bunten Warenwelt auf dem Bild identifiziert.

Die Darstellung von Wohnzimmern scheint den Künstler nicht losgelassen zu haben. Eine englische Studentin schreibt zu diesem Bild, das 2012 in der ➱National Gallery in der letzten Ausstellung des Malers zu sehen war: In one interior, a naked woman stands holding a hoover in a flawlessly created, computer-modelled hotel room, all straight lines and block colours and perfectly outlined furniture. Is Hamilton making a social comment on the objectification of women, their perceived imperfections, their domestic roles appointed them by a backward society? To be honest, I think he just really likes naked women and he really likes hoovers.

Wahrscheinlich ist an der Sache mit den nackten Frauen etwas dran. Warum werden Maler sonst ➱Maler? Wenn man Hamiltons letzte ➱Werke betrachtet, dann ist das schon auffällig. Bei diesen vier Nackedeis kann man natürlich sagen, dass sie ein postmodernes Zitat von ➱Duchamps Nu descendant un escalier sind. Ja, die Postmoderne. Ich hatte mal einen Kollegen, der daran glaubte und alles las, was die Götter der Postmoderne schrieben. Als in der Stadtmitte eine Buchhandlung Pleite machte und ihre Buchbestände verramschte, kaufte ich mir Foucault und Derrida (und wie sie alle heißen) für eine Mark pro Buch.

Eine Viertelstunde später begegnete ich, schwer beladen mit zwei Plastiktüten voller Postmoderne, meinem postmodernen Kollegen auf der ➱HolstenstraßeHerr Kollege, sagte ich, Schauen Sie mal. Die Postmoderne ist zu Ende, sie wird gerade verramscht. Ich fand das sehr witzig. Er konnte darüber überhaupt nicht lachen. Das Gedicht von ➱Uli Becker hätte ihm wohl auch nicht gefallen:

Gott ja, die Postmoderne, sagt der Minirock
zum Existenzialistenrolli, anything goes
und alles kommt wieder, für 15 Minuten.

Und bevor ich vergesse, das zu sagen: Richard Hamilton ist mit seinem Bild Just what is it that makes today’s homes so different, so appealing? der Erfinder der Pop Art. Die bekanntlich Pop Art heißt, weil auf dem Tennisschläger POP steht. Man hätte diese Kunst ja auch Tootsie Art nennen können, aber Pop Art kann man sich leichter merken.

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