Henry Scheffer

 

Das Bild haben Sie schon einmal gesehen. Es war in dem Post über den Hamburger Millionär ➱Sir John Henry von Schroder, der seine Kunstsammlung seiner Heimatstadt schenkte. Was auch Gustav Christian Schwabe getan hat, der natürlich ➱hier auch einen Post hat. Der Post wird viel gelesen, was wohl daran liegt, dass er bei Google und Bing auf einem der ersten Plätze der Suchergebnisse liegt.

Was der Ary Scheffer kann, der das Bild mit der Szene aus Dantes Divina Commedia gemalt hat, das kann sein Bruder Henry Scheffer, der am 25. September 1798 geboren wurde, allemal. Es ist eine Malerei, die den Zeitgeschmack trifft. Nicht den Geschmack aller, glücklicherweise. Charles Baudelaire – der als einer der wenigen frühzeitig das Talent von ➱Eugène Boudin erkannt hatte – konnte die Bilder von Henry Scheffer nicht ausstehen. Das Bild hier zeigt Charlotte Corday, die gerade abgeführt wird. Es hängt in Liverpool, ist aber gar nicht das Original. Ist besser als das Original. Théophile Gautier hat 1845 über das Bild gesagt: M. Henri Scheffer, que le nom que nous venons de prononcer nous rappelle, nous montre Mme Roland et M. Delamarche allant au supplice. – Cette peinture a beaucoup de rapports avec la Charlotte Corday, et semble en être comme une espèce de pendant. – Nous reprochons à M. Henri Scheffer, pour ce tableau comme pour le portrait du roi, des morceaux cernés de noir et des tons de porcelaine que la nature n’offre pas. – Cela soit dit sans faire tort à la distinction et au sentiment, qui sont les qualités de M. Scheffer.

Ein Jahr später urteilte Charles Baudelaire über die im Salon ausgestellte Malerei: Du reste, cette peinture est si malheureuse, si triste, si indécise et si sale, que beaucoup de gens ont pris les tableaux de M. Ary Scheffer pour ceux de M. Henry Scheffer, un autre Girondin de l’art. Pour moi, ils me font l’effet de tableaux de M. Delaroche, lavés par les grandes pluies. Une méthode simple pour connaître la portée d’un artiste est d’examiner son public. M. E. Delacroix a pour lui les peintres et les poètes; M. Decamps, les peintres ; M. Horace Vernet, les garnisons, et M. Ary Scheffer, les femmes esthétiques qui se vengent de leurs fleurs blanches en faisant de la musique religieuse…Wie recht diese Kritiker doch hatten.

Für ➱Sir Joshua Reynolds stand die Historienmalerei ganz oben in der Rangfolge der Malerei. Er war aber klug genug, keine Historienbilder zu malen. ➱Gainsborough hat das glücklicherweise auch nicht getan. Die gloriose Historienmalerei ist bei den Franzosen gut aufgehoben, die haben ja schon die Glorie in ihrer Nationalhymne: Le jour de gloire est arrivé! Doch dann muss das anders aussehen als bei Henry Scheffer. Mindestens so wie auf diesem Bild von ➱Delacroix. Dagegen sehen die Historienbilder von Henry Scheffer aus wie ein kläglicher Abklatsch.

Dieses Bild zeigt die Heilige Johanne, wie sie am 8. Mai des Jahres 1429 in Orleans einreitet. Die Historienmaler des 19. Jahrhunderts wissen genau, wie das damals immer gewesen ist, wie es ausgesehen hat. Geschichte müssen wir malen, Geschichte ist die Religion unserer Zeit, Geschichte allein ist zeitgemäß, hat der Maler Wilhelm Kaulbach geschrieben, und daran scheint das ganze 19. Jahrhundert zu glauben (wenn Sie eine Übersicht darüber haben wollen, dann klicken Sie ➱diese Materialien an). Meine Jugend bestand nur aus solchen Bildern, ich habe das in dem Post ➱Moritz von Schwind schon gestanden. Aber auch von solchen Bildern kann man etwas lernen. In meinem Blog ➱nixwiekunst, in dem die Posts aus SILVAE zum Thema Kunst gesammelt sind, stehen 302 Posts. Ich möchte jetzt nicht zählen, in wie vielen schlimmer Kitsch vorkommt. In dem Punkt habe ich ein großes Herz. Aber es gibt Grenzen. Morgen beginne ich auch mit einem schlimmen Kitschbild, aber das wird interessanter als Henry Scheffer.

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