William Frith

 

Im 19. Jahrhundert wird es in der feinen Gesellschaft in England Mode, dass junge Damen Sport betreiben. Queen Victoria soll diesen Sport hier auch betrieben haben. Cricket, Croquet, Tennis und Bogenschießen sind jetzt angesagt. Für die Frauen in England, die jener Klasse angehören, über die ➱Friedrich Engels sein Buch Die Lage der arbeitenden Klasse in England schrieb, gab es keinen Sport. Die kommen auch nie auf Gemälde wie diese jungen Damen auf dem Bild von William Frith, das The Fair Toxophilites: English Archers, Nineteenth Century heißt.

Die jungen Damen auf dem Bild oben sind (von links nach rechts) Alice, Louise und Fanny, die Töchter des Malers, der am 19. Januar 1819 geboren wurde. The Fair Toxophilites ist vielleicht das beste Bild des Malers. Um eine Toxophilite zu sein, muss man natürlich in der 1781 gegründeten Royal Toxophilite Society (im Oberklassenslang the Tox genannt) sein, der auch die ➱Königin angehörte. Ich verstehe ein wenig von dem englischen Sport Cricket (was die Leserzahlen von diesem ➱Post beweisen), der in dieser Zeit auch gerne von Damen betrieben wird. Wie auf diesem Bild von Lucien Davis, einem beliebten ➱Illustrator der viktorianischen Gesellschaft.

Am besten spielt man Cricket bei sommerlichen Gartenfesten. So wie Croquet. Oder wie hier die Countess of Derby mit ihren Freundinnen. Aber doch bitte nicht als Sport. Sagt der Reverend H.R. HaweisDo I object to cricket, for instance? Personally, I do not care to see a graceful girl straddling behind a wicket, with her nose above the bails, her body doubled-up like a frog’s, and her hands clapped on her knees for support; nor do I think that a young lady’s hands and arms were intended to swing a weighty club, and „swipe,“ as the boys say, at cricket balls.

Das Zitat findet sich in seinem Buch Ideals for Girls (➱hier im Volltext), das uns sehr viel über das viktorianische Frauenbild sagt. Wenn ich mich beim Cricket auskenne, vom Bogenschießen für Damen habe ich eigentlich nicht die geringste Ahnung. Aber ich habe das wunderbare Buch von Manuela Müller-Windisch gelesen. Hat einen Titel, der alles sagt: Aufgeschnürt und außer Atem: Die Anfänge des Frauensports im viktorianischen Zeitalter. Gibt es ab 1,58 bei Amazon Marketplace. Das Bild von William Frith sagt uns nicht nur etwas über das Freizeitverhalten der nicht arbeitenden Klasse in England, es sagt uns auch eine Menge über Damenmode. Dazu später mehr.

Dieses Bild von Henry Raeburn (der ein bedeutenderer Maler ist und ➱hier natürlich einen Post hat) ist – wie das Bild von Sir Joshua Reynolds im Absatz darüber – beinahe ein Jahrhundert älter als das von Frith. Auch hier kommen die Schützen aus der besseren Gesellschaft, Bogenschießen ist ein exklusiver Sport. Das ist er, seit der Bogen keine Waffe mehr ist, seit man Robin Hood und diejenigen nicht mehr braucht, die mit ihren longbows die Schlacht von Azincourt gewannen.

Maler wie William Frith braucht die Kunst eigentlich auch nicht. Er ist jemand, der den viktorianischen Alltag malt. Mit großangelegten Panoramen wie ➱The Derby Day, ➱The Railway Station oder ➱Ramsgate Sands. Manchmal auch ein ganz klein wenig sozialkritisch, wie in dem ➱Crossing Sweeper. Er wird auf einer Internetseite als the greatest British painter of the social scene since Hogarth bezeichnet, aber da muss jemand etwas missverstanden haben. William Frith, der auf seinem Selbstportrait wie ein Pastor aussieht, hat nichts von dem scharfen Blick von Hogarth. Und sozialkritisch will er erst recht nicht sein.

In David Bindmans Dictionary of British Art heißt es über ihn: He had few pretensions of greatness, though he took his role as chronicler of modern life seriously. Man könnte ihn mit dem Franzosen Louis-Léopold Boilly (der ➱hier einen Post hat) vergleichen, aber das würde nicht so gut für Frith ausgehen. Er malt tableaux, in denen ein Augenblick eingefroren wird, und in denen sich nichts bewegt. Und die uns nicht bewegen. Hier in For better, for worse gibt es arm und reich. Aber gibt es eine ➱Botschaft? Das frisch getraute Paar aus reicher Familie könnte so enden wie die Bettler hinter der Kutsche, so what?

Gut, Frith ist mir lieber als der widerlich moralisierende Augustus Egg (der schon en passant in den Posts ➱Thomas Chatterton und ➱William Etty erwähnt wird), aber den wirklichen Spannungen der englischen Gesellschaft gehen die englischen Maler im 19. Jahrhundert gerne aus dem Weg. Im Gegensatz zur Literatur, wo wir mit Charles Dickens schonungslose Kritiker der Gesellschaft haben. Lieber flüchtet man wie Frith ins sentimentale Genre (in dem Punkt ist er ein Nachfolger von ➱David Wilkie). Oder man flüchtet in die Geschichte wie hier mit dem Bild Mary Stuart Returning from France. So etwas rührt das Herz, das hat das Publikum gerne. Friths Bilder zogen riesige Menschenmassen an.

Sie waren beim Publikum so beliebt, dass man sie mit eisernen Gittern abzäunen und einen Polizisten daneben stellen musste, weil die Schaulustigen sonst ihre Nasen aufs Bild gedrückt hätten. Die Bilder waren ja auch nicht groß (A Private View at the Royal Academy, 1881 ist nur 60 x 114 Zentimeter groß), da muss man ja nah herangehen. Solche Absperrungen sind ja immer lästig, aber sie sind heute vielerorts die Regel geworden. Ich weiß noch, dass ich ➱Rembrandts Nachtwache gesehen habe, als man sie noch ganz aus der Nähe betrachten konnte. Und keine hundert Leute davor standen. Glücklicherweise gibt es immer noch Museen und Bilder, wo das so ist.

So etwas kommt beim Publikum auch immer gut an: Szenen aus der englischen Geschichte. Wie sie Friths Kollege William Shakespeare (der ➱hier einen Post hat) malt. Dies Bild heißt Henry VIII and Anne Boleyn Deer Shooting In Windsor Forest. Das Bild ist mir immer ein Rätsel gewesen, ich dachte immer, dass Anne Boleyn das gejagte Tier sei. Auf jedem Fall ist sie das bei Sir Thomas Wyatt, der mal etwas mit Anne am Laufen hatte. Aber dann kam der König und nahm sie ihm weg. Und Sir Thomas durfte aus seiner Gefängniszelle zusehen, wie sie hingerichtet wird. Sie können mehr in dem Post ➱Sir Thomas Wyatt lesen, aber das Gedicht von Wyatt muss ich mal eben hier abdrucken. Damit neben dem ganzen viktorianischen Kitsch auch ein wenig Kultur in den Post kommt:

Whoso list to hunt, I know where is an hind,
But, as for me: helas, I may no more.
The vain travail hath wearied me so sore,
I am of them, that farthest cometh behind.

Yet may I by no means my wearied mind
Draw from the deer; but as she fleeth afore
Fainting I follow. I leave off therefore,
Since in a net I seek to hold the wind.

Who list her hunt, I put him out of doubt,
As well as I, may spend his time in vain.
And, graven with Diamonds, in letters plain,
There is written, her fair neck round about:

Noli me tangere, for Caesar’s I am,
And wild for to hold – though I seem tame.

William Frith hat ➱Charles Dickens gekannt, er hat immer wieder Szenen aus Dickens Erzählungen zu Bildern gemacht. Natürlich nichts von dem sozialkritischen Dickens, nur das Harmlose. Wie hier Dolly Warden aus Barnaby Rudge. Er hat Dickens auch portraitiert, Dickens‘ Freund und späterer Biograph John Forster hatte das ➱Bild in Auftrag gegeben. Dickens war nicht so begeistert, er schreibt an seine Freundin Lavinia Watson: your satisfaction with the portrait is a great pleasure to me. It has received every conceivable pains at Frith’s hands, and ought on his account to be good. It is a little too much (to my thinking) as if my next-door neighbour were my deadly foe, uninsured, and I had just received tidings of his house being afire; otherwise very good.

Das Art Journal war noch weniger begeistert: Mr Dickens, when sitting for this portrait, has mistaken the sentiment wherewith he should have invested the author of ‚Pickwick‘ and the ‚Old Curiosity Shop‘; who must in his nature overflow with the milk of human kindness. He wears a velveteen wrapper, and appears to have put his left hand hastily, and significantly, into his pocket, as turning round with an expression of countenance somewhat severe, he seems to negative some application we are quite sure he would have answered in the affirmative. The action is certainly ungraceful, if not unbecoming; it is, to say the least, ‚a mistake‘ so to picture such a man, – an error on the part of the author as well as on that of the artist. The portrait, therefore, although admirably painted, is one we do not desire to see multiplied, the more especially as the accessories are by no means in good taste.

Ein Gemälde von Frith fand ich immer bemerkenswert. Und das ist das Bild A Private View at the Royal Academy, 1881 (➱hier eine Version zum beliebigen Vergrößern). Es ist eine Art Who is Who der viktorianischen Kunstszene. Frith hat in My Autobiography and Reminiscences (ein Buch, das ein ➱Bestseller wurde) eigentlich alles zu dem Bild gesagt, was zu sagen ist: Seven years ago certain ladies delighted to display themselves at public gatherings in what are called æsthetic dresses; in some cases the costumes were pretty enough, in others they seemed to rival each other in ugliness of form and oddity of color. There were – and still are, I believe—preachers of æstheticism in dress; but I think, and hope, that the preaching is much less effective than it used to be. 

The contrast between the really beautiful costumes of some of the lady habituées of our private view and the eccentric garments of others, together with the opportunity offered for portraits of eminent persons, suggested a subject for a picture, and I hastened to avail myself for it. Beyond the desire of recording for posterity the aesthetic craze as regards dress, I wished to hit the folly of listening to self-elected critics in matters of taste, whether in dress or art. I therefore planned a group, consisting of a well-known apostle of the beautiful, with a herd of eager worshippers surrounding him. He is supposed to be explaining his theories to willing ears, taking some picture on the Academy walls for his text.

Der well-known apostle of the beautiful ist natürlich Oscar Wilde, hier noch konventionell im ➱Morning Coat gekleidet, mit einer weißen Lilie im Knopfloch. Schneider beginnen jetzt, auf der Rückseite des Revers einen kleinen boutonniere loop anzubringen, einen Faden, der den Blumenstengel hält. Lillie Langtry, die drei Jahre älter war als Wilde, hatte ihm den Namen Apostle of the Lily gegeben, da muss natürlich eine Lilie ins Knopfloch, wenn Lillie bei einer Vernissage ist. Ansonsten hat er da auch schon Gänseblümchen oder grüne Orchideen getragen. Das Photo wurde in Amerika von dem berühmten Napoleon Sarony gemacht, es war Gegenstand eines in der Geschichte des Copyright berühmten Prozesses.

Wenig später wird Wilde solche Klamotten (in lila und dunkelgrün) wie auf diesen Photos tragen, auf jeden Fall trägt er sie auf seiner Vortragsreise in Amerika, man nennt diese Mode aesthetic dress. Der kleine Junge in grün auf dem Bild oben trägt auch so einen Anzug. Wenn man der kleine Lord Fauntleroy ist, dann ist das ja völlig O.K., als Variante von ➱Gainsboroughs Blue Boy herumzulaufen. Aber als erwachsener Mann? Oscar Wilde macht mit diesem Outfit auch keine wirklich Mode, es ist nur eine Variante eines Anzugs, der sich seit der Maler Anthony van Dyck ihn auf die Leinwand gebracht hatte, beharrlich als Kinderkleidung der upper class hielt.

Doch vielleicht ist dieser Anzug auch nur ein wenig für das épater la bourgeoisie da, denn Wilde hat ja später sehr konventionelle – wenn auch immer dandyhaft inszeniert – Kleidung getragen. Und er hat auch, was der dernier cri war, die wollene Reformkleidung von Dr Gustav Jäger getragen. Wahrscheinlich wohl, um seiner Gattin Constance einen Gefallen zu tun, die eine Anhängerin des dress reform movement war (hier ist sie in einem aesthetic dress zu sehen). Die Reformkleidung von Jäger gab es natürlich auch für Damen, als Kleider oder wollene Unterwäsche. Zuerst konnte man diese Kleidung nur in dem Londoner Geschäft von Dr Jäger kaufen, aber bald konnte man diese Kleidung, die wunderbar in das Victorian dress reform movement passte, weltweit bestellen.

George Bernard Shaw (hier im Bild) war auch ein Fan der Anzüge von Dr Jäger. ➱Chesterton hat über Shaws seltsamen Anzug gesagt: By this time his costume has become a part of his personality; one has come to think of the reddish brown Jaeger suit as if it were a sort of reddish brown fur, and were, like the hair and eyebrows, a part of the animal; yet there are those who claim to remember a Bernard Shaw of yet more awful aspect before Jaeger came to his assistance; a Bernard Shaw in a dilapidated frock-coat and some sort of straw hat. I can hardly believe it; the man is so much of a piece, and must always have dressed appropriately. In any case his brown woollen clothes, at once artistic and hygienic, completed the appeal for which he stood; which might be defined as an eccentric healthy-mindedness. But something of the vagueness and equivocation of his first fame is probably due to the different functions which he performed in the contemporary world of art. Dr Jäger, der der Stammvater der Londoner Firma Jaeger ist, kommt hier schon in den Posts ➱Better than Shakespeare und ➱Lichtgebet vor.

Das aesthetic movement ist für die Damenmode wahrscheinlich wichtiger als für die Herrenmode. Die Dame im eleganten weißen Kleid links von Wilde käme nie auf die Idee, ein orangefarbenes Kleid zu tragen, das die Frau neben Wilde trägt. Die woman in white heißt Lillie Langtry (sie wird schon in den Posts über ➱Chaucer, ➱Charles Frederick Worth und ➱Cricket erwähnt), sie ist die Maitresse des Kronprinzen. Ich weiß nicht, ob das Zitat wirklich echt ist, wonach der Prince of Wales sagt: I’ve spent enough on you to build a battleship! und sie antwortet: And you’ve spent enough in me to float one. Ist aber sehr komisch.

Ihre Kleider kommen von Charles Frederick Worth, dem Engländer, der die Pariser Haute Couture erfunden hat. Sie quält sich lieber in so etwas  wie in dem Bild da oben (auch ihr Kleid auf dem Bild von Frith hat eine Wespentaille), ehe sie einen aesthetic dress anziehen würde. Und wenn sie sich schon im déshabilié zeigt, dann nur für Lord Leighton, der sie in dieses Bild mit dem Titel Idyll hinein gemalt hat (sie ist die rechte von den beiden Schäferinnen, die einem Hirten lauschen).

Die Affäre ist nach einigen Jahren zu Ende, die Presse wird erst viel später davon erfahren. Trotzdem ist Lillie später zur Beerdigung des Königs gegangen. Da Hund des Königs folgte auch dem Sarg. Lillie hat dann von Alexandra den Foxterrier bekommen, das hatte der König so gewollt. Der Hund trägt ein goldenes Halsband, auf dem My name is Caesar; I belong to the King stand. Damit wären wir wieder bei dem Noli me tangere, for Caesar’s I am von Wyatts Gedicht. Lillie wird ihren königlichen Liebhaber nicht los. Da hätte sie auch ein goldenes Halsband tragen können.

Lillie Langtry kaufte auch bei ➱Redfern, einem Haus der britischen Haute Couture, das sehr schnell zur Konkurrenz von Worth und Henry Creed in Paris wurde. Es ist einigermaßen erstaunlich, dass die Mode der feinen Welt in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts von Engländern kommt, die in Paris sitzen. Heute ist von ihnen nicht viel geblieben. Creed gibt es immer noch. Sie hatten für die Königin Victoria 1845 das Parfüm Fleurs de Bulgarie kreiert, wofür sie von der Königin einen royal warrant erhielten. Den ➱Laden da oben gibt es leider nicht mehr, aber das ist eine andere Geschichte.

Redfern (so sah es in ihren Pariser Verkaufsräumen im Jahre 1910 aus) belieferte Lillie Langtry mit einem Kleid aus Jersey, lange bevor ➱Coco Chanel diesen Stoff entdeckte. Was natürlich für die Jersey Lillie sehr passend war. Redfern war auch die erste Firma, die Kleidung für den Sport anboten, wenn man so will, sind sie die ersten Lieferanten von sportswear. Wahrscheinlich hatten sie auch etwas für die toxophilites im Programm, da hätte William Frith sein Bild auch sehr schön für die Anzeigenwerbung verkaufen können.

Die modischen Bewegungen des artistic dress und aethetic dress gehen einher mit dem Erfolg des Kaufhauses von Sir Arthur Lasenby Liberty. Da passt es wunderbar, wenn Oscar Wilde 1899 in dem Artikel Shopping in London in der von ihm herausgegeben Zeitschrift Woman’s World verkündet: Liberty is the chosen resort of the artistic shopper. Das Bild zeigt ein Liberty Kleid aus den 1890er Jahren (ist natürlich im ➱Victoria & Albert Museum). Die Firma Liberty’s gibt es heute immer noch. Und eine Tawna Lawn ➱Krawatte von Liberty ist auch heute noch eine Zierde für den englisch angehauchten Gentleman.

Oscar Wilde ist mit Lillie Langtry befreundet, aber zu der ➱Mode des aesthetic movenment kann er sie doch nicht überreden. Mode bedeutet für Wilde viel, sie kommt in seinem Werk immer wieder vor. Vor wenigen Jahren entdeckte man seinen Essay The Philosophy Of Dress, der beinahe 130 Jahre vergessen war. Aber ich habe ➱hier etwas viel Besseres: das Wichtigste zum Thema Mode aus der Feder von Oscar Wilde. Lillie Langtry kommt auch drin vor. Dies hier ist eine Vorstudie zu dem Bild, bei dem man das Karikaturhafte, das dem Bild immanent ist, noch deutlicher sehen kann (Sie können es ➱hier vergrößern). Oscar Wilde sieht hier ziemlich lächerlich aus.

Diese Damen auf der linken Bildseite tragen auch die Kleider des aesthetic movement. Und diesen anbetenden Gesichtsausdruck, den man beim Betrachten von Kunstwerken haben muss. Das ist heute nicht anders als im Jahre 1881. Guckt sie nur gläubig, oder hat sie den Blick zu Hause geübt? Und die Frage, die das Bild auch stellt, bleibt: warum sind die alle überhaupt hier? Selbstinszenierung wäre eine Antwort, puttin‘ on the style, wie ➱Lonnie Donegan das besungen hat. Eine der zentralen Figuren der neuen (angeblich ästhetischen) Mode ist die Schauspielerin Ellen Terry, die zu ihrer Hochzeit ein braunes ➱Seidenkleid trug, das der Maler Holman Hunt entworfen hatte. Sie spielt auf diesem Bild erstaunlicherweise nur eine Nebenrolle in dem braunen Kleid (scheint in diesen Kreisen chic zu sein) rechts über der Schulter von Oscar Wilde.

In der Gruppe der bärtigen Herren, die sehr kritisch auf Oscar Wilde schauen, können wir auch den Maler Philip Calderon erkennen. Der Freund von dem in England lebenden Hamburger Millionär Gustav Schwabe ist schon einmal in dem Post ➱Gustav Christian Schwabe erwähnt worden. Und der berühmte Salonmaler ➱Lord Leighton, der König des viktorianischen Kitsches, ist natürlich auch auf dem Bild (im braunen Gehrock in der Bildmitte). Aber auch ➱Lewis Carrolls Illustrator John Tenniel, dem wir den mad hatter und die Cheshire cat verdanken. Dinge, die uns heute wichtiger sind, als die Bilder von Lord Leighton. William Frith hat sich auch in das Bild gemalt, direkt unter dem Bild des gerade verstorbenen Disraeli (links neben dem Torbogen). Klein und ohne Hut steht er da. Viel größer wollen wir ihn auch nicht machen.

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