Michael Andrews

Der englische Maler Michael Andrews ist heute vor zwanzig Jahren gestorben. Er gehörte mit Malern wie Francis BaconLucian Freud und Frank Auerbach der School of London an. Dies Bild, A man who suddenly fell over, war sein erster großer Erfolg, es wurde 1958 von der Tate Gallery gekauft. Andrews hat an der Slade School of Fine Arts in London bei ➱Sir William Coldstream studiert, den Einfluss kann man in seinem Werk immer wieder sehen.

Ich muss gestehen, dass ich mit dieser Art der figürlichen Malerei nicht so viel anfangen kann, das habe ich schon in dem Post über ➱Francis Bacon gesagt. Aber Andrews hatte auch eine Phase, wo er Landschaften gemalt hat, die berühmtesten Bilder waren die der Serie Lights, die 1970 bis 1975 entstanden sind. Dies ist die Nummer sechs aus der Serie von sieben Bildern. Es heißt The Spa und zeigt in der Ferne den Strand von Scarborough (the Brighton of Yorkshire) und im Vordergrund eine lange Brücke.

Die definitiv nicht an dieser Stelle steht. Das ist die Triborough Bridge (die auch Robert F. Kennedy Bridge heißt), die die New Yorker Stadtteile Bronx, Manhattan und Queens verbindet. Eine geo-political fantasy, Amerika und England in einem Bild. Das letzte Mal, dass Scarborough mit Amerika in Verbindung gebracht wurde, war, als ➱Simon und Garfunkel Scarborough Fair sangen. Ich weiß nicht, ob schon jemals zuvor ein Maler auf die Idee gekommen ist, zwei verschiedene Orte in einem Bild der Landschaftsmalerei zu verbinden. Natürlich fällt mir Thomas Cole ein, der in The Architect’s Dream alle Baustile der Welt an einen Platz versetzt hat.

Aber die Serie Lights wollte etwas anderes, Aufschluss gibt das letzte Bild Lights VII, das den Schatten eines Fesselballons zeigt: We dream of flying. Usually there is the sensation of leaving the ground and suddenly acquiring the ability to float over obstacles and keep going, by sheer will and power, across land and sea. It is a common dream – escapism, obviously – reflecting universal aspirations. It is the romantic impulse of Shelley’s Ode to the West Wind: “If I were a swift cloud to fly with thee”, hat Andrews im Katalog zu der Ausstellung der Lights Serie im Jahre 2000 geschrieben. Er hatte eine Phase des Zen Buddhismus durchgemacht, die ihn zu diesen Bildern gebracht hatte:

Reading R.D. Laing and Alan Watts, I came across this marvellous expression: that the ego is a concept, not a thing, in other words, one’s sense of self is an idea that you can actually live and work and act and behave perfectly well without. I then came across another marvellous expression: R.D. Laing or Alan Watts – I can’t remember who used the phrase – referred to our self-conscious selves as ‘skin-encapsulated egos’. At the same time that I was reading this, I found a photograph of a balloon floating over Gloucestershire, and that, together with the phrase ‘the skin-encapsulated ego’, seemed to me to make a perfect image, and it led to the series of pictures called Lights. They were to do with sloughing off the ego, getting rid of the ego. Und dann war da noch Arthur Rimbaud, dessen Les Illuminations, angeblich der Auslöser für die Bilder waren. Sie können die Illuminations hier im Original und hier auf Englisch lesen. Vielleicht bringt sie das weiter. Das Bild von dem englischen Pier können Sie ➱hier bei einem Museumsrundgang im Thyssen Museum an der Wand sehen.

Zen Budismus und Arthur Rimbaud sind ein bisschen viel Aufwand für Bilder, die nach photographischen Vorlagen mit der Sprühpistole hergestellt wurden. Die amerikanischen Photorealisten, die zur gleichen Zeit auch mit Photographien und Sprühpistole arbeiteten, brauchten diesen theoretischen Aufwand nicht. ➱Jens Christian Jensen hatte 1976 eine Menge dieser amerikanischen Photo- oder Hyperrealisten in einer Ausstellung versammelt. Er versuchte bei der Ausstellungseröffnung etwas verzweifelt, dem Ministerpräsidenten Stoltenberg die amerikanische Kunst nach 1945 nahezubringen. To no avail, wie der Engländer mit einem schönen Klischee sagen würde. Ich hatte mich damals an die Regierungsdelegation angehängt und konnte alles wunderbar verfolgen.

Ich finde es aber beruhigend, wenn es in der modernen Kunst auch ohne begleitende Theorie geht, ohne Rimbaud und Zen and the Art of Motorcycle Maintenance. Als Andrews‘ Phase mit dem getting rid of the ego zu Ende war, hat er viele Bilder in Schottland gemalt. Hier seine Ansicht der Stadt, die die Schotten Embro aussprechen. Er hatte für die Wahl der schottischen Sujets einen ganz simplen Grund: er war an einem Jagdrevier beteiligt, schoss Moorhühner und Großwild. Ließ sich dabei photographieren, projizierte das Photo auf die Leinwand. Und dann her mit der Sprühpistole. Dafür braucht man keinen Zen Buddhismus und keinen Arthur Rimbaud.

Im 19. Jahrhundert, als die Maler noch nicht so viel Theorie brauchten, die ihre Bilder erklärte, machte man das einfach so:

Viele Bilder von Michael Andrews finden Sie ➱hier

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