Frank Bramley

Wir brauchen darüber nicht lange zu diskutieren, das ist echter Kitsch. Das Bild When the blue evening slowly falls von Frank Bramley aus dem Jahre 1909 (das wahrscheinlich Bramleys Frau Katherine und den Zwergspitz der Familie darstellt) war einem Liebhaber vor zwei Jahren bei einer Auktion allerdings noch £163.875 wert. Diese blaue Stunde ist ja etwas, was die Skandinavier zu dieser Zeit perfekt gemalt haben. ➱Peder Severin Krøyer liebte diese heure bleueSkagen can look so terribly dull in the bright sunlight … but when the sun goes down, when the moon rises up out of the sea … in recent years this has been the time I like most of all. Und auch Oda Krogh (die Sie in dem Post ➱Nordlichter finden) konnte das perfekt. Ohne solchen Kitsch wie Bramley zu produzieren.

Der englische Maler Frank Bramley kannte Whistler und soll mit Sargent befreundet gewesen sein, allerdings erwähnt ihn Stanley Olson in seiner Sargent Biographie mit keinem Wort. Es gibt jedoch eine kleine Ölskizze, die Sargent in England in Broadway in Worcestershire (wo Bramley zusammen mit den amerikanischen Malern Edwin Austin Abbey und Frank Millet eine kleine Künstlerkolonie hatte) gemalt hat, welche to my friend Bramley Home Fields signiert ist. Das Bild ist an einem Spätnachmittag des Jahres 1885 gemalt, mit lockerem Strich.

Und es ist Welten entfernt von dem Hauptwerk von Bramley, das den Titel A Hopeless Dawn hat und drei Jahre später gemalt wurde. Technisch gut gemalt, interessant in der Behandlung des Lichts. Die Frau auf dem Fußboden der Fischerhütte ist jetzt nicht das bei den Viktorianern so beliebte Motiv der fallen woman (klicken Sie doch mal eben den Post ➱William Etty an und schauen Sie sich das Bild von Augustus Egg an). Nein, diese Frau da auf Boden, das ist die junge Witwe, deren Mann auf See geblieben ist. Wenn wir durch das Fenster schauen, können wir tobende Wolken und tosende See erkennen. Und die Kerze auf dem Fensterbrett ist erloschen, die Viktorianer lieben diese billige Symbolik. We saw Frank Bramley’s picture which is not only good for him but I think one of the finest pictures I ever saw, schrieb ein Kritiker.

Und Caroline Fox und Francis Greenacre sagen in ihrem Buch Artists of the Newlyn School, 1880-1900Frank Bramley’s reputation has always rested almost entirely on a single painting,“A Hopeless Dawn“. This is not a reflection of a short life or meagre output but of the exceptional and continued appeal of that one picture. Das Bild, das die Tate Gallery ankaufte, wurde in der Royal Academy mit einem Begleittext von Ruskin ausgestellt: Human effort and sorrow going on perpetually from age to age; waves rolling for ever and winds moaning, and faithful hearts wasting and sickening for ever, and brave lives dashed away about the rattling beach like weeds for ever; and still, at the helm of every lonely boat, through starless night and hopeless dawn, His hand, who spreads the fisher’s net over the dust of the Sidonian palaces, and gave unto the fisher’s hand the keys of the kingdom of heaven.

Ich will da jetzt lieber nichts sagen, ich habe Leser, die mögen ➱Ruskin. Während ich immer zu beleidigenden Äußerungen neige. Was wohl daran liegt, dass ich als Proust Fan beinahe alles von Ruskin gelesen habe, weil ich in meiner Jugend dachte, was gut für ➱Proust ist, ist auch gut für mich. Das war ein Fehler, in der Zeit hätte ich etwas Besseres lesen können. Frank Bramley, der auf diesem Selbstportrait mit seinem Biberhut nichts von der Tristesse von A Hopeless Dawn hat, hat sein berühmtestes Bild in Newlyn in Cornwall gemalt. Szenen aus dem Leben der Fischer sind in dieser Zeit en vogue, ich habe das schon in dem Post ➱Michael Ancher gesagt. Cornwall zieht ebenso wie Skagen die Maler an, und so haben wir eine Künstlerkolonie von St Ives (die ➱hier schon einen Post hat) und eine von Newlyn.

Bramley bleibt nicht immer in Newlyn, er zieht mit seiner Familie nach Grasmere (wo ➱Wordsworth einmal lebte) und vertauscht die Fischerhütten als Motiv mit den Villen der edwardianischen Upper Middle Class. Dieses Bild, das den Titel A Truce hat, ist eine Variante von When the blue evening slowly falls. Malerisch ist dieses companion piece viel besser als das mehr oder weniger zweidimensionale When the blue evening slowly falls. Kritiker rühmten hierbei die Lichtführung, diese geschickte Behandlung von natürlichem und künstlichem Licht. Man kann es nicht leugnen, dass er ein englischer Impressionist ist, und so wird er auch in Kenneth McConkeys Buch Impressionism in Britain behandelt.

Das Dictionary of British Art hat nur sieben Zeilen für den Maler übrig, der heute vor hundert Jahren im Alter von 58 Jahren nach langer Krankheit in London gestorben ist. Er war ein stiller melancholischer Mann, der nichts von dem flamboyanten Stil seines Zeitgenossen Whistler hatte. Die Times nannte den zurückhaltenden, melancholischen Mann in ihrem Nachruf modest, quiet, sweet and gentle. Das war er sicher. Vier Jahre vor seinem Tod war er in die Royal Academy aufgenommen worden, ein Associate der Akademie war er seit 1894.

1912 hatte er in London eine große Ausstellung. Die allerdings nicht den Geschmack des Kunstkritikers des Saturday Review traf: If we sought much from Mr. Bramley’s exhibition in the Leicester Galleries, we should be disappointed. His pictures as it were “ slop over “ with execution and exude sweet colour. What they unanimously lack a modest canvas by one Arnald, dated 1797 (and sharing Mr. Bramley’s room), quietly offers us. This Wilsonian unambitious landscape has technique, while Mr. Bramley has little but flamboyant execution.

Der erwähnte Arnald aus dem 18. Jahrhundert ist George Arnald über den Wordsworth sagte: he would have been a better Painter, if his Genius had led him to read more in the early part of his life… I do not think it possible to excel in landscape painting without a strong tincture of the Poetic Spirit. Nun ist es ein wenig fies, im Jahre 1912 einen zeitgenössischen Maler mit einem Maler des 18. Jahrhunderts zu vergleichen. Ich habe, damit Sie einen Eindruck von George Arnald bekommen, eine Landschaft von ihm (die wirklich sehr nach ➱Richard Wilson aussieht) in den oberen Absatz eingefügt. Aber die Malerei geht weiter. Wenn Frank Bramley einen See malt, dann sieht der natürlich nicht aus wie ein See von George Arnald oder Richard Wilson.

Erstaunlich ist allerdings die Preisentwicklung. Christie’s hat vor Jahren einen George Arnald für 10.000 £ verkauft. Und Bilder von Richard Wilson – die ich mir jederzeit ins Wohnzimmer hängen würde, wenn ich das Geld hätte – waren zu Preisen zwischen zwanzig- und fünfzigtausend Pfund zu bekommen. Und dann 163. 875 Pfund für When the blue evening slowly falls, das ist doch grotesk. Die besten Bilder haben sich schon frühzeitig die Museen gesichert. A Hopeless Dawn gehört der Tate Gallery, A Truce der Royal Institution of Cornwall und dies hübsche Bild von The Grasmere Rushbearing dem National Trust.

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