Walter Leistikow

 

Wilhelm II, der mit der Kunst seiner Zeit große Probleme hatte, hat zu ➱Walter Leistikows Bildern gesagt: er hat mir den ganzen Grunewald versaut. Im Gegensatz zu ihm finde ich Leistikows Bilder aus dem Grunewald und der Mark Brandenburg sehr schön. Menschenleer, voll stiller dunkler Melancholie. Landschaften zum Träumen. Unser oberster Kunstrichter hat auch noch gesagt (das berichtet ➱Lovis Corinth in Das Leben Walter Leistikows: Ein Stück Berliner Kulturgeschichte), er kenne den Grunewald und außerdem wäre er Jäger. Dies Bild hätte nicht die geringste Naturwahrheit.

Kurz zuvor hatte ihre Majestät bei dem Museumsbesuch den Direktor der Nationalgalerie gerüffelt, weil er französische Impressionisten gekauft hatte. Und da hatte ➱Hugo von Tschudi ihn zu diesem Bild geführt, das der Bankier und Kunstmäzen Richard Israel der Nationalgalerie geschenkt hatte. Er wollte ihm etwas Deutsches zeigen. Das Bild aus dem Grunewald hängt noch immer in Berlin, der Mäzen Richard Israel ist übrigens von den Nazis im KZ Theresienstadt ermordet worden.

Leistikow, hier von Lovis Corinth gemalt, hat mit dem Bild vom Grunewald Pech. 1898 hatte die Jury der Großen Berliner Kunstausstellung es abgelehnt, das Bild zu zeigen. Woraufhin der Maler zusammen mit Max Liebermann die Gründung der Berliner Secession betrieb. Die etwas anderes wollte, als die Kgl. preußische Beamtenkunst zu produzieren. Den Liebermann mochte der Kaiser auch nicht. Aber een Anarchist ist der Kerl doch, soll er gesagt haben, nachdem er Liebermann nach langem Zögern den Roten Adlerorden verliehen hatte. Er hasst es auch, dass dieser Schmutzmaler Liebermann ihm sozusagen vis-à-vis wohnt. Pariser Platz Nummer 7, unmittelbar neben dem ➱Brandenburger TorGleich links, wenn man nach Berlin ‚reinkommt. Er hatte mal den Plan, das Haus zu kaufen und es abreißen zu lassen.

Liebermann sagte über seinen Kollegen Leistikow: Es ist Leistikows unvergängliches Verdienst, den Stil gefunden zu haben für die Darstellung der melancholischen Reize der Umgegend Berlins. Die Seen des Grunewalds oder an der Oberspree sehen wir mit seinen Augen; er hat uns ihre Schönheiten sehen gelehrt. Und der Kunstkritiker Oscar Bie schrieb 1904: Leistikow kehrt den Menschen den Rücken, um sie nie wieder mit seiner Kunst zu verfolgen. Denn die Landschaft wird lebendig, sie hat jenes tiefe Schweigen, das alle guten Landschaften haben und in dem der Mensch eine höchst störende Leblosigkeit bedeutete. Was der deutsche Kaiser nicht mochte, mochte allerdings das Publikum: Immer ja ist es noch so: Die Welt will Grunewald von mir, oder was sie darunter versteht. Ich wate im Geld.

Es wäre schön, wenn ich jetzt wüsste, wo das Buch Walter Leistikow (1865-1908): Maler der Berliner Landschaft von ➱Margrit Bröhan geblieben ist. Da ich das Buch auf Anhieb nicht finde, bekommt Leistikow zum 150. Geburtstag einen kurzen Post. Heute hat noch ein anderer Maler Geburtstag, nämlich der Engländer Richard Parkes Bonington. Während Leistikow bisher im Blog nur einmal in dem Post ➱Anders Zorn erwähnt wird, hat ➱Bonington hier schon einen Post. Der offensichtlich größere Beachtung gefunden hat. Im Wikipedia Artikel zu Bonington kann man unter dem Punkt Nachwirken lesen: Allerdings gibt es heute auch Stimmen, die trotz ihrer Sympathie für Bonington vor einer buchstäblich „romantischen“ Verklärung, damit auch Überschätzung warnen.[6] Wenn Sie die Fußnote sechs anklicken, werden Sie sehen, wer dieses Kunsturteil abgegeben hat.

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