Sir William Chambers

 

Der schottische Architekt William Chambers war ein klein wenig anders als seine Kollegen im 18. Jahrhundert. Dies Bild, auf dem er elegant, aber ein klein wenig nachlässig bekleidet ist, zeigt das vielleicht. Chambers wird nicht in Schottland, sondern in Göteborg geboren. Wo sein Vater versucht, alte Schulden vom schwedischen Staat einzutreiben (Chambers‘ reicher Großvater hatte einst die Kriegszüge von Karl XII finanziert). Von 1740 bis 1749 ist der junge Chambers in den Diensten der Swedish East India Company, für die er drei Reisen nach China macht. Der schwedische König wird ihn eines Tages zum Ritter schlagen. Das ist bei dem englischen Admiral Sir Sidney Smith ähnlich gewesen (lesen Sie ➱hier mehr), den seine Kollegen von der Royal Navy etwas verächtlich the Swedish knight nannten. Smith wird lange brauchen, bis der englische König den schwedischen Titel anerkennt und er sich Sir Sidney nennen darf.

William Chambers hat diesen Ärger nicht, er ist der Zeichenlehrer jenes Kronprinzen gewesen, nach dem eine ganze ➱Ära heißen wird. George III ist seinem Zeichenlehrer wohlgesonnen. Chambers hatte nach seiner Zeit in Schweden Architektur studiert. Nicht in Edinburgh oder London, nein, in Paris. Dem König George III hat er auch seine Dissertation on Oriental Gardening (➱hier im Volltext) gewidmet, und für die Prinzessin Augusta hat er die ungewöhnlichen Bauwerke in Kew Gardens gebaut. Die Pagoda in Kew steht heute immer noch.

Orientalische Gärten haben sich aber auf der Insel nicht durchgesetzt, man hatte ja schon den englischen Landschaftsgarten (zu dem es ➱hier einen langen Post gibt). Aber was Chambers an Ideen aus China mitbringt, wird sich auf den englischen Geschmack auswirken. Plötzlich gibt es Möbel im ➱chinesischen Stil in englischen Wohnzimmern. Man weiß nicht so recht, ob dass wirklich der Einfall von Chambers (der ja auch Möbeldesigner war) gewesen ist, oder ob die Idee nicht doch von ➱John Hepplewhite kommt. Dies hier ist das Treppenhaus der Courtauld Gallery im Somerset House, ich finde das auch sehr extravagant.

Wenn jemand etwas ganz Exotisches in die englische Architektur bringt, dann wird er leicht die Zielscheibe des Spottes, wie auf diesem Bild eines unbekannten Karikaturisten. Oder man verfasst wie der englische Dichter und Landschaftsgärtner William Mason eine lange Satire (➱hier im Volltext) auf ihn.

Die königliche Gunst verlor Chambers trotz seiner extravaganten Architektur nie, 1766 machte ihn George III (zusammen mit seinem Konkurrenten ➱Robert Adam) zum Architect to the King. Das wird John Soane, den Chambers protegiert, eines Tages auch werden (Sie kennen Soane aus den Posts ➱Bank of England und ➱Sir John Soane). Auf diesem Bild von John Francis Rigaud können wir William Chambers links neben Joseph Wilton (mit dem Chambers lange in Italien war) und ➱Sir Joshua Reynolds (für den Chambers in Richmond ein Haus gebaut hat) sehen. Wir können auch sehen, dass er das Großkreuz des schwedischen Svärdsordens stolz an der Brust trägt.

William Chambers konnte natürlich auch anders als chinesisch bauen. Wenn es gewünscht war. Das beweist das großartige Somerset House (die Brunnenanlage im Vordergrund ist neueren Datums) und viele Häuser, die er für den englischen Adel gebaut hat. Erstaunlicherweise ist er dem Band Scottish Architecture von Miles Glendinning und Aonghus MacKechnie in der vorzüglichen Reihe des Verlags Thames & Hudson nur wenige Erwähnungen wert. Da ist man mit John Summersons Architecture in Britain, 1530 to 1830 schon besser beraten. Dass sein Werk in Scottish Architecture fehlt, liegt wohl daran, dass er kaum in Schottland gebaut hat.

Aber in Irland. Für seinen Freund James Caulfeild, den ersten Earl of Charlemont entwirft er dieses ➱Casino Marino. Was natürlich kein Spielcasino ist, sondern schlicht Landhaus in Marino heißt (Marino ist ein Stadtteil von Dublin). Einen Garten plant Chambers auch dazu, wenn Sie ➱hier klicken, können Sie sehen, wie das casino damals ausgesehen hat.

Sir William hat in A treatise on the decorative part of civil architecture geschrieben: This design was originally one of the end pavilions of a considerable composition, made soon after my return from Italy, for Edwin Lascelles, Esq., now Lord Harewood, which, among many others, his Lordship procured for Harewood House [Bild]. The same composition, with considerable variations, was afterwards wrought to the extent of a palace for her late Majesty, the Dowager Queen of Sweden. The only part, however, of cither of the large designs which has been executed, is the present little publication, which was built by Mr. Verpyle with great neatness and taste, after models made here and instructions sent from hence. William Chambers hat dem erwähnten Charles Verpyle die Pläne nach Dublin geschickt, er selbst hat das Casino Marino nie gesehen.

Die malerischen Dekorationen dieser Kutsche sind nicht von ihm. Die sind von Giovanni Cipriani, den Chambers in Rom kennengelernt hatte. Aber die Kutsche hat er entworfen, die nach über zweihundert Jahren noch verkehrstüchtig ist. Es ist die goldene englische Staatskutsche. Sir William Chambers ist heute vor 220 Jahren in London gestorben. Ich dachte mir, ich schreibe mal einen kurzen Post über ihn. Ist aber wieder etwas länger geworden. Chambers ist in diesem Blog natürlich schon erwähnt worden. Lesen Sie auch: William BeckfordRobert AdamLord Burlington und 18th century: Architecture

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