Well, I’ve had a happy life

 

The lunatic, the lover, and the poet
Are of imagination all compact.
One sees more devils than vast hell can hold;
The madman. While the lover, all as frantic,
Sees Helen’s beauty in a brow of Egypt.
The poet’s eye in a fine frenzy rolling,
Doth glance from heav’n to earth, from earth to heav’n;
And as imagination bodies forth
The forms of things unknown, the poet’s pen
Turns them to shape, and gives to airy nothing

A local habitation and a name.
Such tricks hath strong imagination.

Das Zitat hat sich nicht jemand zufällig aus einem Shakespeare Stück herausgepickt, hier schreibt William Hazlitt über die ➱Dichtung. Und verdeutlicht uns so nebenbei, dass Shakespeare ganz schön schlau ist: The forms of things unknown, the poet’s pen Turns them to shape, and gives to airy nothing A local habitation and a name. Such tricks hath strong imagination. Hazlitt ist auch ganz schön schlau, er ist einer der besten englischen Essayisten. Seine Essays sind nach zweihundert Jahren immer noch von erstaunlicher Frische. Und ich finde es sehr sympathisch, dass er ➱Edmund Spenser nicht besonders mag. Hazlitt hätte auch Maler werden können, wie dies Selbstportrait zeigt. Dichter zu werden – davor hatte er zurückgeschreckt.

Obgleich ihm die Dichtung alles ist: Poetry is all that is worth remembering in life. Seine letzten Worte auf dem Sterbebett waren Well, I’ve had a happy life. Er muss die Dichtung gemeint haben, sein Leben ist kaum glücklich zu nennen. So have I loitered my life away, reading books, looking at pictures, going to plays, hearing, thinking, writing on what pleased me best. I have wanted only one thing to make me happy; but wanting that, have wanted everything! Das eine, das ihm fehlt, ist eine Frau. Aber das lasse ich jetzt mal weg, und Sie lesen mal Jon Cooks Hazlitt in Love.

How did we forget William Hazlitt? fragte Alastair Smart im Telegraph anlässlich der Ausstellung William Hazlitt: Through the Eyes of a Critic in der Tate Gallery im Jahre 2014. Wenn die Engländer mit ihm schon nicht anfangen konnten, was ist mit den Deutschen? Vergleichen Sie einmal den englischen Artikel bei Wikipedia mit dem armseligen deutschen Wikipedia Eintrag. Danach lesen Sie freiwillig in diesem Blog den Post ➱William Hazlitt, den ich vor drei Jahren an seinem 235. Geburtstag schrieb. In meinem Anglistikstudium ist Hazlitt nicht vorgekommen, aber über mein Studium möchte ich lieber nicht reden. Wenn die ➱Baronin Stoltzenberg oder ➱Peter Nicolaisen nicht gewesen wären, ich weiß nicht, was aus mir geworden wäre. Ich las ja konsequent all das, was nicht auf den Leselisten stand, also las ich auch Hazlitt.

Der auch als Kunstkritiker wunderbar ist, wenn er über Turners Gemälde sagt, sie seien pictures of nothing, and very like. Und über dieses Bild von Turner, das ➱Claude Lorrain alles verdankte, schrieb er 1814: All the taste and all the imagination being borrowed, his powers of eye, hand and memory, are equal to anything. Er bereichert die Kunstliteratur um den Begriff gusto. Und ➱Kenneth Clark hat ihn the best critic before Ruskin genannt. ➱Ruskin kann ich nicht ausstehen, das sage ich bei jeder Gelegenheit (es ist wunderbar, wie Mike Leigh den jungen Ruskin in seinem Film Mr Turner lächerlich macht), aber das mit dem best critic, das lassen wir mal stehen.

Hazlitts Bruder John ist Maler, er hat bei Reynolds studiert. Er wird seinen Bruder William, der noch nicht so richtig weiß, was er werden soll, in der Kunst der Malerei unterweisen. Dies hier ist John Hazlitts Portrait von seiner Schwester Margaret ‚Peggy‘ Hazlitt. John Hazlitt ist als Portraitist nicht schlecht. William auch nicht, er verdient sich zuerst sein Geld als Portraitmaler. Dann schreibt er über den ➱Dandyismus, über die Liebe, über soziale Fragen, über Philosophie.

Und immer wieder über Dichter. Viele fürchten sich vor seinem scharfen Urteil. So sagte ➱John Keats zu Benjamin Robert Haydon: He is your only good damner, and if ever I am damned — damn me if I should like him to damn me. Aber gegen das Gedicht A thing of beauty is a joy for ever von Keats hat Hazlitt bestimmt nichts gehabt. Es ist der Anfang von dem epischen Gedicht Endymion, und das gibt mir Gelegenheit, den schönen Schäfer einmal abzubilden. Es ist ein Gemälde von meinem Lieblingsmaler Girodet, der schon in den Posts ➱Haiti und ➱Apotheose auftaucht. Aber den denken wir uns mal wieder weg und hören John Keats zu:

A thing of beauty is a joy for ever: Its loveliness increases; it will never

Pass into nothingness; but still will keep

A bower quiet for us, and a sleep

Full of sweet dreams, and health, and quiet breathing.

Therefore, on every morrow, are we wreathing

A flowery band to bind us to the earth,

Spite of despondence, of the inhuman dearth

Of noble natures, of the gloomy days,

Of all the unhealthy and o’er-darkn’d ways

Made for our searching: yes, in spite of all,

Some shape of beauty moves away the pall

From our dark spirits. Such the sun, the moon,

Trees old and young, sprouting a shady boon

For simple sheep; and such are daffodils

With the green world they live in; and clear rills

That for themselves a cooling covert make

‚Gainst the hot season; the mid-forest brake,

Rich with a sprinkling of fair musk-rose blooms:

And such too is the grandeur of the dooms

We have imagined for the mighty dead;

An endless fountain of immortal drink,

Pouring unto us from the heaven’s brink. 


Ich habe das auch noch auf Deutsch (ich glaube, es ist die Übersetzung von Werner Vortriede), es ist ja noch Platz im Internet:

Ein Werk der Schönheit ist ein Glück für immer:

Stets wächst noch seine Anmut; es wird nimmer

Ins Nichts vergehn – wird ständig ein Gemach

Der Stille uns bereiten, einen Schlaf

Voll süßer Träume, stiller Atmezüge;

Drum knüpfen jeden Morgen wir aus Blüten

Ein neues Band, zur Erde uns zu binden,

Trotz Dunkel und Verzweiflung, trotz der schlimmen

Dürre an edlen Geistern, und der Wege,

Die wir, von kranker Düsternis umgeben,

Nur blind und tastend gehn – trotz alldem reißt

Die schöne Form von unserem finstern Geist

Das Leichentuch. Sonne und Sterne tuns,

Der Mond, und all die Bäume alt und jung,

Der schlichten Herde Schattenrast; Narzissen

In ihrer grünen Welt; das helle Fließen

Des Bachs, der sich ein kühles Zelt errichtet

Gegen die heiße Zeit; das tiefe Waldesdickicht,

So reich durchtränkt vom Duft der Moschusrose,

Und auch das Schicksal, das gewaltig große,

Das für die höchsten Toten wir erfinden,

Und all die schönen Märchen und Legenden –

Ewiger Quell unsterblicher Genüsse,

Die sich vom Himmelsrand auf uns ergießen.

 

Über jay

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