Basel

 

Das ist nun auch schon ein wenig her, dass Gloria von Thurn und Taxis von ➱Helmut Newton vor ihrer Yacht Aiglon in Szene gesetzt wurde. Die Yacht war bei Abeking & Rasmussen gebaut worden, diese Bootswerft ist in diesem Blog immer wieder erwähnt worden. Wir hatten auch mal ein Boot von A & R, aber das war nur ein Ruderboot. Mahagoni geklinkert, mit Notbesegelung, Luggertakelung, vier Quadratmeter Segelfläche. Hieß auch nicht Aiglon sondern F47, hat aber ➱hier schon einen Post.

Nach dem Tod ihres Gatten verkaufte Gloria die Aiglon an einen der Chefs von Hoffmann-LaRoche in Basel. Nach Basel will ich hin, weil ich den Basler Maler Fritz Baumann vorstellen möchte, der heute vor 130 Jahren geboren wurde. Aber ich bleibe noch einen Augenblick bei der 45 Meter langen Luxusyacht. Die vom neuen Besitzer wieder nach Lemwerder zu Abeking gebracht wurde. Generalüberholung. Und sie bekam einen feschen kleinen goldenen Adler als Galionsfigur. Als sie fertig war, sah ich sie in Kiel wieder.

Es war Kieler Woche, und man hatte mir einen grässlich langweiligen schottischen Professor angedreht. Der war offizieller Gast der Universität, ich sollte ihn die Woche betüddeln. Er war angeblich Spezialist für ➱Byron und ➱Kipling, aber man konnte mit ihm weder über den einen noch den anderen reden. Ich ging mit ihm in die Kunsthalle (die dank ➱Jens Christian Jensen damals einiges zu bieten hatte), es interessierte ihn nicht. Er war ein nerd und ein Langweiler, nur der Chef der Whiskyfirma Cutty Sark war schlimmer (Sie sollten jetzt mal eben den Post ➱Cutty Sark lesen). Professor X betonte gleich am Anfang, dass er Offizier in einem schottischen Regiment gewesen sei. Ich sagte ihm, dass ich auch mal als Offizier bei einem englischen ➱Regiment gewesen war. Interessierte ihn auch nicht. Aber dann war er doch von der Aiglon beeindruckt, die just nach Kiel gekommen war. Als wir davor standen, kam gerade mein Klassenkamerad Bernd L. von Bord, der zu der Besatzung gehörte, die die Yacht nach Kiel überführt hatte. Wir begrüßten uns herzlich. Als er weg war, fragte mich Professor X, wer das gewesen sei. Und da sagte ich ihm ganz cool und trocken: Der Besitzer der Yacht. Von da an behandelte mich der Schotte wie eine Respektsperson.

Dies ist nicht die Aiglon, dies ist Burmesters Ashanti IV vor Laboe, eine der schönsten deutschen Yachten. Lag immer tiefschwarz bei Burmesters Werft an der Lesumbrücke (da, wo man in den ➱Trolleybus umstieg), wenn sie nicht auf Nord- und Ostsee unterwegs war. Burmester fuhr einen Bentley, fand er vornehmer als einen Rolls-Royce zu fahren (das steht schon in dem Post ➱Borgward). Seine Enkelin hat mir mal die schöne Geschichte erzählt, dass Burmester während der Kieler Woche seinen Bentley vor dem Kieler Yacht Club im absoluten Halteverbot abgestellt hatte. Und dem herbeieilenden Polizisten sagte: Junger Mann, ich segle jetzt mit Herrn Krupp und dem Bundespräsidenten auf der Germania, Sie passen bitte so lange auf meinen Wagen auf.

Auf der Wikipedia Seite für Basel steht viel über die pharmazeutische Industrie und Hoffmann-La Roche, eine Firma, die mit Valium reich geworden ist. Es werden auch berühmte Maler aus Basel wie ➱Arnold Böcklin erwähnt, der Name Fritz Baumann fehlt. Dies ist nicht die Formel des Diazepams, dies ist ein Bild von Baumann. Wenn es das Valium schon gegeben hätte, wäre sein Leben vielleicht anders verlaufen und hätte nicht 1942 mit dem Selbstmord geendet.

Baumann wurde immer wieder von schweren Depressionen heimgesucht, in einer dieser Phasen hat er in den zwanziger Jahren beinahe sein ganzes Werk mit der Hilfe seines zehnjährigen Sohnes Cäsar in den Rhein geworfen. So wie Hagen von Tronje den Nibelungenhort in den Rhein gekippt hat. Ich weiß jetzt nicht, was die Rheintöchter Wellgunde, Woglinde und Floßhilde und die ➱Loreley zu diesem Kunstgenuss gesagt haben. Er hat dann nach 1928 auch nie wieder an Kunstausstellungen teilgenommen. Es ist schwer, das Werk eines Malers einzuschätzen, wenn man annehmen kann, dass sein Hauptwerk im Rhein versunken ist.

Das, was erhalten ist, ist auch sehr unterschiedlich. Er hat wohl eine symbolistische Phase gehabt, hat aber auch realistische Landschaften gemalt. Wie dieses Aquarell, das den Ort Muttenz bei Basel zeigt, aus dem seine Ehefrau kommt. Und daneben malt er wunderbar naive Bilder, die an den Douanier Rousseau erinnern.

Von denen gefällt mir das Bild Emmy im Garten aus dem Jahre 1916 am besten. Es erinnert mich ein wenig an die Bilder von Marianne von Werefkin, Sie können einige davon in dem Post ➱Georg Trakl sehen. Bis zu seinem Tod ist Baumann Lehrer an der Gewerbeschule und der Frauenarbeitsschule in Basel gewesen, die Arbeit hat ihm Befriedigung verschafft und Halt gegeben. Wenn er auch nicht mehr ausstellt, malt er doch noch. In einem Artikel für ein Künstlerlexikon schreibt er 1937: Heute konzentriere ich mich ganz auf eine Malerei ohne Problematik aus heiterster, leichtester Seelenlage, die auch das einfache Volk erwärmt.

Dies Bild (Der Mann im Strohhut) aus dem Jahre 1910 stellt seinen Freund, den Maler Otto Morach, dar. Den hat er auch mit einem Holzschnitt portraitiert, einer Technik, in der sich bei seinem Parisaufenthalt kurz vor dem Ersten Weltkrieg vervollkommnet hatte. Der Wikipedia Artikel zu Otto Morach ist vier Zeilen lang, der zu Baumann nur unwesentlich länger. Für den Basler Böcklin sind die beiden keine Konkurrenz. Immerhin gibt es im Internet eine ➱Seite für Fritz Baumann, die versucht, Leben und Werk des Schweizer Malers Fritz Baumann einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. Was ich heute auch tue.
Die Yacht Aiglon hat keinen Besitzer aus Basel mehr, sie wird heute für Segeltouren im Mittelmeer verchartert. Wenn Sie noch mehr in diesem Blog über Segelboote lesen wollen, dann klicken Sie diese Posts an: Max OertzsaudadeSegelbooteThomas EakinsUnsere Marine

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