Geburtstagskinder

Der ▹Herr, der hier auf die Bremer Stadtmusikanten hinweist, hat heute Geburtstag. Deshalb kriegt er einen kleinen Post. mit meinen Glückwünschen. Er erfreute die Leser dieses Blogs ja mit seinen Karikaturen schon häufig. Wie dem wunderbaren Hahn in ▹Politisch Lied, den schlittschuhlaufenden ▹Stadtmusikanten oder dem ▹badenden Bischof.

Das Äußere täuscht, man sieht es diesem soignierten Herren nicht an, dass er, wenn man ihm einen Stift oder einen alten Füllfederhalter in die linke Hand drückt, ganz fies und böse sein kann. Man würde eher vermuten, dass er in seinem Leben etwas ganz anderes gemacht hat, als Cartoons zu zeichnen. Hat er auch: Jurastudium, Polizeirat bei der Kripo, Staatsanwalt, Professor für Strafrecht. Und das ganze Leben lang gezeichnet, in der Schule schon. Unter der Bank. Damals hat niemand von uns gedacht (er wohl auch nicht), dass seine Cartoons eines Tages in ▹Ausstellungen zu sehen sein würden.

Er hat auch immer photographiert, wie wir alle. Hatte ein Photolabor auf dem Boden, meins war im Keller. Er durfte auch manchmal eine der ▹Leicas seines Vaters benutzen. Ich war damals schon über meine ▹Werra glücklich. Ich verdanke ihm den Abzug von einer Glasplatte mit der kaiserlichen Yacht Iduna (die Geschichte steht schon in dem Post ▹Max Oertz). Und ich verdanke ihm auch die Platten, die er mir aus Amerika schickte, ▹Harry Belafonte und ▹Jazz. Dafür haben wir ihn auch nett begrüßt, als er aus Amerika kommend wieder in Rotterdam ankam. Er ist der zweite von links, der ohne Schlips. Ich trage so etwas natürlich, tat man damals, wenn man neunzehn war. Aber immerhin trägt er stilvoll einen Anzug. Das gehört sich auch für den Sohn des besten ▹Herrenausstatters im Ort.

Noch ein anderer Cartoonist hat heute Geburtstag, der etwas berühmter ist als mein Freund Ekke. Hier wird er gerade von Donald Duck gemalt. Das ist die Ente mit dem ▹Kieler Knabenanzug, die Carl Barks erfunden hat. Ich hätte heute aber noch mehr Geburtstagskinder anzubieten, die mit Feder und Pinsel umgehen konnten.

Carl Barks zählt nicht unbedingt zu den Vorbildern von Ekke Dahle. Von Journalisten nach seinen Vorbildern gefragt, hat er ▹Wilhelm Busch und Olaf Gulbransson genannt. Und Tomi Ungerer, Robert Gernhardt und Til Mette. Aber auch ▹Ronald Searle und Sempé. An ▹Sempé kommt niemand vorbei. Alle Namen sagen mir etwas, weil ich vor einem halben Jahrhundert begonnen haben, die Bücher von Cartoonisten zu sammeln. Ich habe schon zweieinhalb Regalmeter. Ekke bestimmt auch.

Als ich für die Bibliothek des Englischen Seminars Bücher von ▹Ronald Searle anschaffte, wurde ich von Kollgen gefragt, was das solle. Ich fragte die Banausen, was denn die englische Kultur ohne Hogarth ohne ▹Thomas Rowlandson, ohne ▹James Gillray etc wäre? Wir können das noch weiter denken. Was ist mit einer Kultur, in der es keine Karikatur und eine Cartoons gibt? Glücklicherweise haben die Engländer seit dem 18. Jahrhundert einen Reichtum von Karikaturisten. Haben zum Beispiel diesen wunderbaren Searle Cartoon (Sorry Madam, no smoking in the museum), übrigens eine Variante eines älteren ▹Cartoons. Searle hat die nackte Raucherin für den französischen Figaro gezeichnet, eine englische Zeitung hätte das wahrscheinlich 1955 nicht gedruckt. Die Engländer entdecken erst mit ▹Christine Keeler, dass es so etwas wie Sex gibt. Wir können an diesem Cartoon das Selbstverständnis zweier Kulturen festmachen. ▹Roland Barthes und ▹Leo Spitzer haben uns gezeigt, wie man das macht.

Das berühmteste Geburtstagskind der malenden Zunft des heutigen Tages ist natürlich George Stubbs, aber über den gibt es heute hier nichts. Der hat mit ▹George Stubbs und ▹Bildbschreibung schon zwei Posts. Ich möchte lieber zum Schluss auf eine vielleicht wenig bekannte Malerin hinweisen, die Stimmungsimpressionistin Marie Egner hinweisen, weil die nicht so bekannt ist. Dieses  Bild zeigt einen Blick aus ihrem Atelier in der Klagbaumgasse im 4. Bezirk um 1890. Viele Maler haben einen Blick aus dem Fenster geworfen und gemalt, was sie da draußen sahen.

In dem Post zu ▹Friedrich Wasmann findet sich zum Beispiel der schöne Blick in die Campagna. Und zu dem Blick von ▹Blechen aus dem Fenster des Hauses Kochstraße 9 in Berlin hat Theodor Fontane gesagt, dass er das Bild gern in seinem privatesten Raum gehabt hätte. Vielleicht schreibe ich einmal einen Post über Fenster in der Malerei. Da darf das Bild von ▹Sir John Lavery nicht fehlen, und ▹Thomas Jones, dessen Bilder man mit Marie Egners Bild vergleichen kann, kommt da auch vor. Natürlich kann man beim Blick aus dem Fenster auch diese pastorale Idylle unseres Geburtstagskinds, dem ich hiermit herzlich gratuliere, sehen.

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