Familienbild

Wenn Maler ihre Familie malen, gehen sie häufig mit Liebe und Herzblut an die Sache. Das hat der französische Maler Albert Besnard, der heute vor 170 Jahren in Paris geboren wurde, sicher auch getan. Es ist keine normale Familie, die er da portraitiert: bis auf das Kleinkind auf dem Arm der Mutter haben alle im Raum mit Kunst zu tun. Besnard, der sich neben die Tür der Villa in Talloires im Département Haute-Savoie gemalt hat, kam aus einer Künstlerfamilie. Seine Schwiegermutter Mme Vital-Dubray neben ihm war die Gattin des Bildhauers Gabriel-Vital Dubray, und seine Frau Charlotte Besnard war Bildhauerin. Alle drei Kinder im Vordergrund, Germaine, Philippe und Robert, werden Künstler werden.

Das Bild der Familie Besnard aus dem Jahre 1890 befindet sich im Musée d’Orsay, aus dem auch die Abbildung im obigen Absatz stammt. Bei dieser Abbildung, die sich bei Wikipedia findet, hat jemand wohl zu tief in den digitalen Farbtopf gegriffen, aber man kann dadurch die Struktur und den räumlichen Aufbau des Bildes schön erkennen. Von den Bildern Besnards, die an der Wand hängen, ist nichts mehr zu erkennen. Durch die Verandetür, ein kleines Bild im Bild, erhalten wir einen Ausblick auf die Landschaft.

Besnard hätte auch Landschaftsmaler werden können, er ist ein Maler, der alles kann und jede Technik beherrscht, ob es Radierungen, Aquarelle oder Ölgemälde waren. Die Kritiker liebten ihn: Among contemporary French artists, there is no more brilliant and vivid figure than that of Albert Besnard. He is a painter of life and light, a magician of color, a man who, as one critic puts it, „has seen in the paroxysm of a moment the truth revealed by his contact with the infinite.

Besnard war 1880 mit seiner Familie nach London gegangen und hatte dort die Bilder von Joshua Reynolds und Thomas Gainsborough genau studiert, was ihn zu einem gesuchten Portraitmaler der Belle Epoque werden ließ. Er ist auch schon so berühmt, dass er in der Royal Academy ausstellen darf. Besnard war mit John Singer Sargent befreundet, der die Familie Besnard mit dem kleinen Robert vor seiner Geburtstagstorte einmal gemalt hat. Das intime Bild, das Albert Besnard von seiner Familie gemalt hat, entsteht im selben Jahr, in dem Vindent van Gogh stirbt. Haben die beiden Maler etwas gemein?

Besnard hat ein liebende Familie, bekommt private und öffentliche Aufträge, Preise und Auszeichnungen. Vincent van Gogh hat nichts davon. Es mag ihm im Malerhimmel ein Trost sein, dass sich heute alle an ihn erinnern und kaum jemand Albert Besnard kennt. Doch der Maler des mainstream der Belle Epoque hat van Gogh gekannt, er macht mit seinem Bruder Vincent Geschäfte. Der hat ihm einmal zweihundert Franc geliehen, hätte er vielleicht besser seinem Bruder gegeben. Manchmal ist Besnard gar nicht so weit von van Gogh entfernt, das van Gogh Museum besitzt diese Serie von Radierungen.

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