zwei Napoleons


Es geschieht nicht so häufig, dass der Maler und der Gemalte Napoleonheißen. Aber hier ist das der Fall. Zwei Bayern treffen aufeinander, und beide haben das Napoleon in ihrem Namen. Der Maler heißt Franz Napoleon Heigelund wurde am 15. Mai 1813 in Paris geboren. Er war der Sohn des Münchener Miniaturmalers Joseph Heigel, der von 1806 bis 1819 in Paris lebte und eine Pariserin (mit dem schönen Namen Joséphine Catherine Hypolythe Rabelot) geheiratet hatte. Joseph Heigel verehrte Napoleon, den er 1806 portraitierte (das Bild ist leider nicht mehr auffindbar), und so bekam sein Sohn den Vornamen Napoleon mit auf den Lebensweg. Der Sohn wird bayerischer Hofmaler werden, aber immer wieder in seine Geburtsstadt Paris zurückkehren.

Wenn Sie den Namen Joseph Heigel anklicken, dann kommen Sie in das Lexikon Pariser Lehrjahre von France Nerlich und Bénédicte Savoy, eine der besten Quellen zu den beiden Malern, die sich nie so recht entscheiden können, ob sie in München oder Paris leben wollten. Die Professorin Bénédicte Savoy kennen Sie ja schon, die konnten Sie im Poetry Month in dem Post Museum sehen. Der Herr auf dem kleinen Gemälde (34 x36 cm) von Heigel ist Maximilian Joseph Eugene Auguste Napoleon de Beauharnais, der dritte Herzog von Leuchtenberg. Und Fürst Romanowsky ist er auch noch. Aber noch nicht auf diesem Bild von 1836, den Titel bekommt er erst zwei Jahre später, wenn er die Tochter des russischen Zahren heiratet. Aber Herzog von Leuchtenberg ist er gerade geworden, weil sein älterer Bruder gestorben ist.

Bei der Firma Fine Art America kann man den Maximilian in voller Schönheit auf einem Kaffeebecher bekommen, ich weiß jetzt nicht, ob die amerikanischen Käufer wissen, wer Heigel Franz Napoleon ist. Wahrscheinlich glauben die Kunden, die zwölf Euro für das Teil der Firma Napoleon Hill bezahlen, dass dies ein Bild von Napoleon von dem Maler Heigel Franz ist. Der Druck auf dem Kaffeebecher ist von guter Qualität, man kann noch den Siegelring und die feinen Wildlederhandschuhe erkennen. Heigel ist Miniaturmaler, der kennt sich mit Details aus. Der Orden, den der Herzog an der Brust trägt, ist übrigens der schwedische Seraphinenorden. Den hat er wahrscheinlich bekommen, weil seine Schwester Joséphine (die hier schon erwähnt wird) den schwedischen König geheiratet hatte.

Herzog Maximilian von Leuchtenberg hat das Napoleonin seinem Namen aus einem besonderen Grund, sein Vater ist niemand anderer als Napoleons Stiefsohn Eugène de Beauharnais. Der hatte hier von zehn Jahren schon einen Post, in dem auch Fontanes Beauharnais Balladen zu finden sind, da kann ich mich kurz fassen. Und wieder zu seinem Sohn kommen. Auf diesem Bild ist der Max neunzehn Jahre alt. Er ist gerade Leutnant im vierten Chevaulegers Regiment des bayerischen Königs geworden, ein Prestigeregiment der bayerischen Armee. Mit den Chevaulegers hat der normale Bayer so seine Schwierigkeiten, im Volksmund werden sie zu Schwalangschärs oder Schwolis. Das mit den Schwollis gefällt mir ganz besonders.

Heigel malt die ganze bayerische Aristokratie. Dazu lassen wir einmal Hyacinth Holland zu Wort kommen, weil der den Maler gekannt hat: Als Heigel zu Ende des Jahres 1835 nach München zurückkehrte, da schien es, als hätte man in den höchsten Kreisen nur auf den Maler gewartet: Alles drängte sich von ihm porträtirt zu werden. In kurzer Zeit hatte er sämmtliche Glieder des königlichen Hauses unter seinen Pinsel gebracht, dazu eine Anzahl Koryphäen der Schönheit, des Geistes und der Kunst. Beispielsweise entstanden die Porträts des Königs Otto von Griechenland, des Herzogs Maximilian von Leuchtenberg, des Feldmarschalls Fürst Wrede, der Großherzogin Mathilde von Hessen und ihrer Schwester Adelgunde, der nachmaligen Herzogin von Modena, des Herzogs Maximilian, dessen Gemahlin Louise und deren ganzen hohen Familie, aller Glieder des fürstlich Taxis’schen Hauses, der Königin Therese, Prinz Karl’s von Baiern, der Kronprinzeß Marie, der anmuthigen Sängerin Karoline Hetzenecker in ihrer hoheitsvollen Rolle als Katarina Cornaro (lithographirt von Dresely) – kurz: „Welch reicher Himmel! Stern bei Stern! Wer kennet ihre Namen!“ 

Im selben Jahr, in dem Franz Napoleon Heigel in München den Herzog von Leuchtenberg portraitiert, malt sein Vater in Paris die Dame da oben, die auch einmal zu den Koryphäen der Schönheit, des Geistes und der Kunst gehört hat: Lola Montez. Winzigklein auf Elfenbein, fünf mal sechs Zentimeter. Ist heute im Besitz des Metropolitan Museum, wo man von Heigel Jr auch eine Miniatur hat, ein Portrait der Sängerin Henriette Sontag.

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