Marie Ellenrieder

Es muss mal wieder etwas Kunst in den Blog. Gab es länger nicht, es sei denn, wir betrachten eine Flitzpiepe wie Jonathan Meese als Künstler. Mit solcher Art Kunst hätte die Konstanzer Malerin Marie Ellenrieder (die am 20. März 1791 geboren wurde) nichts anfangen können. Reiligiöse Kunst war eins ihrer Themen, die Altarbilder für die Kirche in Ichenheim von 1822 waren die ersten Bilder einer deutschen Malerin für eine katholische Kirche. Portraits der bürgerlichen Gesellschaft und des Adels war ein anderes Thema. Sie hatte als Miniaturmalerin begonnen, das kann man diesem Selbstportrait aus dem Jahre 1819 noch ansehen.

Sie wird 1813 als erste Frau an der Münchener Kunstakademie angenommen. Nicht, weil sie so gut malen kann; sie gilt als Sozialfall, sie ist beinahe gehörlos. Die Protektion des Generalvikars Ignaz Heinrich von Wessenberg hat dabei wohl auch eine Rolle gespielt. Ihre Kollegin Louise Seidler, die Ellenrieder in Rom kennenlernt, wird in ihrer Autobiographie dazu sagen: Mit der Aufnahme Maria Ellenrieders als Schülerin der Akademie zu München war übrigens ein Präcedenzfall geschaffen, der von guten Folgen war, mehr als Eine meines Geschlechts hat sich in der Isarstadt ausgebildet, und zwar weder zum Schaden der Kunst, noch zum Nachtheil der weiblichen Würde. Louise Seidler und Katharina von Predl, mit denen die Ellenrieder befreundet sein wird, werden die nächsten Frauen an der Münchener Akademie sein. Von den Aktkursen sind die Malerinnen allerdings ausgeschlossen.

1823 malt Marie Ellenrieder diese Maria mit dem Jesusknaben an der Hand, ein Bild, das als ihr malerisches Hauptwerk gilt. Da war sie in Rom gewesen und war von den Nazarenern beeinflusst worden. Wir mögen das heute scheußlich finden, aber in der Romantik fand man so etwas schön. So schrieb Ludwig Robert an seine Schwester Rahel Levin Varnhagen: Es ist jetzt hier Kunstausstellung im Museum; einige gute Landschaften, sonst nichts von Bedeutung. Aber es befindet sich dabei das beste Bild, das (meinem innigen Gefühle nach) in neuester Zeit gemahlt worden ist; und dieses Bild ist – ja! – eine Madonna! und diese Madonna hat gemahlt – ja! – ein Frauenzimmer! Mamsell Maria Ellenrieder aus Constanz, von armen Ältern gebohren, von einem Münchner Professor unterrichtet: dann mit Fl 200! jährlicher Unterstützung vom hiesigen Hofe in Rom gewesen.…Berstedt hat 100 Carolin gebothen; aber die Künstlerin kann nicht darüber disponieren, weil sie es ihrem Vater geschenkt hat“.

Ludwig Robert war nicht der einzige, der derart begeistert war. 1827 wurde sie mit der neu geschaffenen goldenen Medaille Für Kunst und Gewerbfleis ausgezeichnet wurde. Großherzog Ludwig ernannte sie 1829 zur Badischen Hofmalerin mit einem jährlichen Ehrendsold von 300 Gulden. Angelika Kauffmann, mit der sie 1992 in Konstanz eine Ausstellung teilen wird, wurde in England reich und berühmt, Marie Ellenrieder gelang das in ihrem Heimatland. Sie hätte ein Vorbild für die Malweiber am Ende des 19. Jahrhunderts sein können, aber die werden sich nicht auf sie berufen.

Am besten ist sie mit ihren Selbstportraits, wie dem im ersten Absatz und im Absatz oben. Was sie nicht unbedingt kann, ist eine Gruppe wie diese, die den General Georg Heinrich Krieg von Hochfelden und seine Gattin zu Pferd zeigt. Das hätte der Berliner Franz Krüger, den man den Pferde-Krüger nennt, viel besser gekonnt. In einem Künstlerlexikon aus dem Jahr 1914 wird Marie Ellenrieder  als die bedeutendste Malerin Deutschlands in der ersten Hälfte des 19. Jahrhundert bezeichnet. Das ist sicherlich richtig, auch wenn ihr Ruhm heute ein wenig verblasst sit.

Der Amerikaner Jack Daulton, der eine erstaunliche Sammlung zum Symbolismus hat, besitzt auch zahlreiche Bilder von Marie Ellenrieder. Zu ihrem 150. Todestag erschien 2013 der Katalog Einfach himmlisch! Die Malerin Marie Ellenrieder 1791-1863, aus dem man hier einen Aufsatz von Edwin Fecker, der auch Ellenrieders Druckgraphik herausgegeben hat, lesen kann. Zwanzig Jahre früher war in Konstanz der Katalog „… und hat als Weib unglaubliches Talent“ (Goethe). Angelika Kauffmann (1741-1807) – Marie Ellenrieder (1791-1863): Malerei und Graphik erschienen. Man hat sie in ihrem Heimatort Konstanz und in Karlsruhe, wo sie lange tätig war, bis heute nicht vergessen. In diesem Blog, in dem immer etwas aus der Vergangenheit ausgekramt wird, auch nicht.

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Ist das Kunst?

Umstrittene Meese-Ausstellungen in Lübeck: Ist das Kunst? titelten die Lübecker Nachrichten online. Seit Marcel Duchamps Pissoir (das hier schon einen Post hat) und der Fettecke von Beuys wird die Frage Ist das Kunst oder kann das weg? immer wieder neu gestellt. Der neueste Künstler dieser Art ist ein gewisser Jonathan Meese, der zur Zeit Lübeck aufmischt.

Die Lübecker Petrikirche hat man nach dem Luftangriff im März 1942 nicht mehr vollständig wieder aufgebaut. In der fünfschiffigen Hallenkirche St. Petri gibt es sonntags keinen Gottesdienst mehr. Sie ist eine Kulturkirche für  Vorträge, Ausstellungen, Konzerte und den Kunsthandwerkermarkt in der Adventszeit geworden. Aber auch, wenn sie innen nicht wieder fertiggestellt worden ist, wirkt sie doch in dieser weißen Schlichtheit eindrucksvoll und erhaben. Mit der Erhabenheit ist es jetzt vorbei, weil sich dieser Jonathan Meese in der Kirche austobt.

Ein promovierter Pastor hat zur Eröffnung des Spektakels im letzten Monat eine Rede gehalten (die Sie hier lesen können), und man fragt sich: Musste das sein? In einem leergeräumten protestantischen Gotteshaus kann man offensichtlich jeden Unsinn veranstalten, aber hätte Meese seine Großoffensive der Kunst in Vierzehnheiligen veranstaltet, da wäre dann am nächsten Tag Armageddon gewesen.

Jonathan Meese ist ein Skandalkünstler, sagt die Presse. Dem will man gerne zustimmen. Skandalkünstler machen Skandale, das ist ihre Kunst. Ob  sie mehr als das können, weiß man nicht. In Lübeck hatte man schon einmal in einer Kirche einen Skandal. Das ist lange her, aber nicht ganz vergessen. Der Künstler hieß damals Lothar Malskat, er verzierte die Marienkirche mit gotischer Malerei, die er angeblich unter Farbresten entdeckte. Die Schlagzeilen lauteten Die Welt blickt auf St. Marien oder Die größten Funde Europas.

Man hätte bei der Anstellung von Lothar Malskat gewarnt sein können, hatte der doch wenige Jahre zuvor in den Schleswiger Dom Truthähne gemalt. Was den Nazis zu der Theorie diente, dass die Wikinger aus Haithabu in Amerika waren und die Vögel mitgebracht hätten (lesen Sie mehr in Truthähne). Jetzt malt er in Lübeck mittelalterliche Fresken an die Wand. Sie können mehr über den Fälscher, den Günter Grass in seinen Roman Die Rättin hineinschreiben wird, in dem Post Lothar Malskat lesen. Das Witzigste an diesem Kunstskandal ist, dass niemand ihn wahrhaben wollte. Malskat, dem man nicht glaubte, dass er das alles gemalt hatte, musste sich selbst anzeigen und beweisen, dass er der Urheber der Kunst war.

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William Dobson

Der englische Maler William Dobson (hier ein Selbstportrait) wurde am 4. März 1611 getauft, wir wissen nicht genau, wann er geboren wurde. Kinder werden damals sehr schnell getauft, man wusste nicht, wie lange sie leben würden. Dobsons Zeitgenosse John Aubrey hat ihn the most excellent painter that England has yet bred genannt. Die Betonung liegt auf England, die englischen Hofmaler des 17. Jahrhunderts waren alle zugewandert. Sir Anthonis van Dyck kam aus Antwerpen, Sir Peter Lely aus Soest, und Sir Godfrey Kneller hieß eigentlich Gottfried Kniller und kam aus Lübeck.

Seinen König Charles hat William Dobson auch gemalt, aber dass er der Nachfolger von van Dyck als Hofmaler war, ist ein Märchen. Es ist auch nicht wahr, dass van Dyck ihn entdeckt hat und er sein Schüler war. Wahr ist allerdings, dass Dobson ein verschwenderisches Leben geführt hat, das ihn ins Schuldgefängnis brachte und völlig verarmt sterben ließ. Es war ein kurzes Leben, den Tod von Charles I wird er nicht mehr erleben. Die entscheidende Phase des Bürgerkrieges zwischen den Cavaliers (die Dobson malt) und den Roundheads wird er auch nicht mehr erleben. Er stirbt mit 35 Jahren.

Nach der Schlacht von Edgehill nehmen die Cavaliers Oxford ein und machen es zu ihrem Hauptquartier. Dobson reist von London nach Oxford, mietet sich Räume im St John’s College an und eröffnet dort sein Studio. Den Prince of Wales, der bei der Schlacht von Edgehill dabei war, wird er sofort nach der Schlacht mit diesem allegorischen Gemälde (mit abgeschlagenem Medusenhaupt) malen. Er hat den Kronprinzen, der eines Tages Charles II sein wird, zweimal gemalt, er hat keine Probleme, Auftraggeber zu finden.

Wenn man dem viktorianischen Maler William Frederick Yeames glauben darf, dann sah das mit der Beteiligung des Kronprinzen an der Schlacht wohl eher so aus. John Aubrey weiß zu berichten: When the king Charles I, by reason of the Tumults, left London, William Harvey attended him, and was at the fight of Edge-hill with him; & during the fight, the Prince of Wales and Duke of York were committed to his care: he told me that he withdrew with them under a hedge, & tooke out of his pockett a booke and read; but he had not read very long before a Bullet of a great Gun grazed on the ground neare them, which made him remove his station.

In den vier Jahren bis zu seinem Tod malt er jetzt die ganze Prominenz der Royalisten. Mit kräftigem Strich, wie hier Sir Endymion Porter, gerade von der Jagd heimgekehrt. Männlich. Nicht so ein klein wenig effeminiert, wie Sir Endymion auf dem Portrait mit seinem Freund van Dyck ausschaut. The most distinguished purely British painter before Hogarth, hat Sir Ellis Waterhouse ihn genannt. Und der Filmemacher Waldemar Januszczak, der für die BBC einen Film über Dobson gedreht hat, sagt: The first British born genius, the first truly dazzling English painter, die Betonung liegt auf dazzling. Ich kann mich heute mit William Dobson kurzfassen, denn ich habe den Film von Waldemar Januszczak (der auch die Restaurierung eines Dobson Gemäldes bezahlt hat) bei Mimeo gefunden. Klicken Sie hier, und in einer Stunde wissen Sie alles über Dobson und seine Zeit.

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Plakativ

Der amerikanische Maler Winslow Homer wurde am 24. Februar 1836 in Boston, Massachusetts, geboren. Ich kenne den Maler seit mehr als einem halben Jahrhundert, weil ich seine Bilder damals in der Vierteljahrsschrift Perspektiven/Perspectives fand. Er hat hier schon einen Post (und er kommt mit seinen Bildern in vielen Posts vor), und auf dieser Seite können Sie sein Werk betrachten. Da haben Sie für das Wochenende ein opulentes optisches Vergnügen. Die junge amerikanische Dichterin Hannah Fries hat über die Bild aus dem Jahre 1900 ein kleines Gedicht geschrieben:

Reckless precision, pull and layered flow

of paint: the force that forms the wave drives it

ceaselessly to shore. He holds it in his hand,

presses his own will against it: crimson

streak across the horizon, sunset tingeing

the ocean as it plunges at the rocks,

gets dragged between them, all churn and rush,

into the hollow body of the next

rearing wave. What to make of it,

arched back like a broken wrist, tethered

by a brush to its shattering and wild against

last light, bursting into sculpture, impossibly

paused—a salty spume of chiseled shards,

an unhinged slap to the flushed sky.

Das Motiv für die Brandung an der Küste brauchte er nicht lange zu suchen, er konnte es aus seinem Studio in Prouts Neck heraus malen. Auch diesen Fuchs fand er in Prouts Neck. Es war sein bisher größtes Bild  (76.4 cm x 122.2 cm). Und das von der japanischen Malerei beeinflusste Werk war das erste Bild, das er gut verkaufen konnte. Die Pennsylvania Academy of the Fine Arts kaufte das Bild, kaum, dass die Farbe trocken war. Das Meer, das Homer immer faszinierte, ist hier auch im Hintergrund zu sehen.

Hannah Fries hat in ihren Winslow Homer Gedichten auch für dieses Bild ein Gedicht geschrieben:

The fox is belly-deep, rust red streak
in the drift of snow that takes its color
from everything in order to hold every
thing against it—a few prickly stems
proffering berries like drops of blood
to the fox’s extended paw. Hunted,
he is for a moment paused, neck not
outstretched to speed the flight, but raised,
head turned and black ears pricked
toward the surf where it shatters over rocks,
blue-green foam, gray ocean sucking back
into sky. He turns his head but keeps
his course along the shore while faceless
crows—a jeer of black wings—wait.

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Reisende

Mit solchen Bildern hat er ein Vermögen gemacht, der Pompeo Batoni, der heute vor 332 Jahren in Rom starb. Er hat das Touristenporträt erfunden und war der berühmteste Maler seiner Zeit. Batoni profitierte davon, dass die Engländer im 18. Jahrhundert von der Reiselust überfallen wurden, die Grand Tour war eine Pflichtveranstaltung für den Gentleman. Und wenn man in Rom gelandet war, dann ließ man sich von Batoni malen, so einfach war das. Goethe hat die Reiselust der Engländer schon in seinem Faust verspottet, wenn er Mephisto sagen lässt:

Sind Briten hier? Sie reisen sonst so viel,
Schlachtfeldern nachzuspüren, Wasserfällen,
Gestürzten Mauern, klassisch-dumpfen Stellen;
Das wäre hier für sie ein würdig Ziel.

Die Engländer reisen nicht nur nach Rom, um sich von Batoni malen zu lassen, sie schreiben auch während der ganzen Reise. Briefe, Gedichte, eine beinahe unübersehbare Literatur. Bei der Reise haben sie bei sich, was ein Engländer unbedingt braucht: Zwei Säcke aus Schaffell, ein Paar Kissen, ein Paar Wolldecken, ein Paar Bettvorleger, Betttücher, zwei Bezüge, ein Moskitonetz aus feinem Schleierstoff, ein Vorhängeschloss, Handtücher, Tischtücher, Mundtücher (nicht schöne, sondern dauerhaft im Gebrauch befindliche), Pistolen, Messer, ein Taschenmesser für die Mahlzeit, silberne Esslöffel, Suppen- und Teelöffel, 

eine Teekanne aus Silber, eine Blechkanne zum Kochen des Teewassers, eine Schachtel mit dem Feuerstahl und dem phosphorigen Zunder, Hafermehl, Federn, Federmesser, Stecknadeln, Schuhe und Stiefel mit doppelter Sohle, einfach oder aus Kork, unentbehrlich, um der Marmor- oder Ziegelpflasterung standzuhalten (die Sohlen müssen elastisch sein), eine Kassette mit Arzneien … Die Liste, die sich in Mariana Starkes Handbuch Travels on the Continent: written for the use and particular information of travellers findet, ist noch länger. Man hat gerne alles dabei, was man braucht.

Heute ist das anders, da haben die Beamten der Regierung von Frau May die Engländer davor gewarnt, im Frühjahr 2019 Europareisen anzutreten. Lebte Pompeo Batoni heute noch, dann würde er Theresa May verfluchen, weil sie ihm das Geschäft versaut.

Batoni ist kein Unbkannter in diesem Blog, er taucht schon in den Posts Anton Raphael Mengs, 18th century Grand Tour, Johann Heinrich Tischbein d.Ä, Tartan, David HumeHorace Walpole auf. Ich schreibe an etwas Längerem, da wollte ich heute mal einen ganz kurzen Post schreiben. Ist beinahe gelungen.

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Pergamonaltar

Beginnen wir den Tag mit einem Gedicht von Gerhard Falkner aus seinen Pergamon Gedichten (die es hier auch als Videoclips gibt):

Aphrodite, auf deren Wink hin sich die Tiere paaren
mit Schenkeln wie aus bestem attischen Gestüt
und in Gewändern wie von Botticelli übergossen
(die im Gekräusel ihre Wallung widerspiegeln)
Aphrodite, wie im Tanz, inneren Impulsen
von Kampf und Kühnheit folgend, von Rock´n´Roll
tritt dem Giganten, dessen Schönheit selbst den Marmor
aus der Fassung bringt mit der Sandale in die Kehle
wie einem erschlagenen Hund, um ihm die Lanze
wie im Tanze aus dem Leib zu ziehen, man denkt sich
Perseus hätte diese Schenkel brauchen können
als die Gorgonen ihn verfolgten, wenn man nicht bedenkt
dass Perseus eben diese Schenkel hatte, vom Rock´n´Roll
das ganze Geheimnis liegt immer in den größeren
Zusammenhängen, die Frauen, die als Göttinnen den Fries
durchkämpfen sind den Männern gleichgestellt an Kraft
nicht jedoch an Schönheit überlegen
(ein großer griechischer Gedanke!)

Das erste Pergamonmuseum wurde am 18. Dezember 1901 von Wilhelm II eröffnet. Enthüllt wurde damals auch ein von Adolf Brütt geschaffenen Bildnis von Carl Humann, dem Entdecker des Pergamonaltars. Was den Engländern ihre Elgin Marbles sind, wird den Deutschen ihr Pergamonmuseum. Als ich jung war, fand ich es toll, oben auf den Stufen zu sitzen. Gab dieses Gefühl von edler Einfalt und stiller Größe. Damals war das noch Ost-Berlin. Dann durfte man eines Tages die Stufen nicht mehr betreten, jetzt offensichtlich wieder. Allerdings bleibt der Altar bis 2023 zellophanverpackt, man baut das Museum um.

Die Gebäude auf der Museumsinsel sind seit den Tagen von Wilhelm von Bode immer wieder umgebaut worden. Das erste erste Pergamonmuseum wurde nach acht Jahren abgerissen. Die Gemäldegalerie aus Dahlem wurde zur Museumsinsel umgesiedelt, auch der Pergamonaltar bekam einen neuen Platz. Was in diesen Räumen dem staunenden Beobachter dargeboten, das ist eine solche Fülle von Schönheit, wie man sie sich gar nicht herrlicher vereint vorstellen kann, sagte Wilhelm II bei der Eröffnung.

Wilhelm von Bode war nicht ganz dieser Meinung, er hatte das Unternehmen von Anfang an boykottiert, um sein Museum zu bauen. Das eines Tages seinen Namen tragen wird. Kulturstaatsministerin Monika Grütters (die im Gegensatz zu ihrem Vorgänger Bernd Neumann immerhin etwas von ihrem Job versteht) sagte: Ein architektonisch überzeugendes Entree. Für den Volksmund war das Gebäude von David Chipperfield, das jetzt die James Simon Galerie heißt, die teuerste Garderobe der Welt. Fehlplanungen und Bauskandale, Größenwahn und architektonische Leere. Zum architektonischen Größenwahn neigte man in Berlin ja schon immer, wie die ZDF Serie Böse Bauten beweist.

Damit heute noch ein wenig Kultur in diesen Post kommt, habe ich neben Gerhard Falkner noch ein Pergamon Gedicht von Dirk von Petersdorff mit dem schönen Titel Pergamonaltar:

Aus Winternebel drei hereingeschneit 

die Tempeltreppe Traumgelegenheit –

Ägäisinseln, Haare wehn ums Kinn,

und Umschau hält die Felsenkönigin,

die nackt ins Meer zum Zähneputzen ging,

wenn überm Kopf nah Sternenlaken hing.

Sie mögen sie und laufen ihr davon,

sein Sohn und er erreichen Babylon,

da vor den Mischungen aus Schlangen, Katzen

befühlen kurz den Stein der Löwentatzen, 

dann demolierter Gott aus Urgebieten

mit seinem Schild: ›für nicht bekannte Riten,

besichtigt man so wie ein Zugereister,

treibt sich herum auf dem Gebiet der Geister.

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Alice Neel

Es hat länger gedauert, die amerikanische Malerin, die am 13 Oktober 1984 starb, richtig zu entdecken. Aber im letzten Jahr war sie schon in den Hamburger Deichtorhallen zu sehen. Alice Neel hat lange gebraucht, bis sie wirklich berühmt wurde und ihre Bilder auf dem Kunstmarkt honoriert wurden. Portraits von ihr bringen heute auf dem Markt zwischen dreistelligen und sechsstelligen Ergebnissen. Den Film der BBC kann ich Ihnen leider nicht anbieten.

Dafür habe ich aber einen lange interessanten Vortrag von Phoebe Hoban, der Autorin der Biographie Alice Neel: The Art of Not Sitting Pretty. Neel, die immer für die Rechte der Malerinnen eingetreten ist, hat lange gebraucht, bis sie künstlerisch ernstgenommen wurde. Dann hagelt es Einladungen, Interviews, Dokumentarfilme. Ihren in Kuba geformten Stil, der ein wenig nach José Clemente Orozco, Diego Rivera und Frida Kahlo schmeckt, hat sie nie aufgegeben.

In ihren letzten Jahren, die ihre größte Schaffensperiode sind, wird sie auch die Malerkollegen malen, die mit der modernen Kunst in den sechziger Jahren reich und berühmt geworden sind. Andy Warhol inklusive. Barry Walker hat sie one of the greatest portrait artists of the 20th century genannt. Bei Google Bilder finden Sie einen reichen Querschnitt aus ihrem Werk. Sie hat auch Gedichte (hier eine Auswahl) geschrieben. Dies hier handelt von Harlem, einem Stadtteil, dessen puertorikanische Einwohner sie immer wieder gemalt hat:

I love you Harlem
Your life your frequent
Women, your relief lines
Outside the bank, full
Of women who no dress
In Saks 5th Ave would
Fit, teeth missing, weary,
Out of shape, little black
Arms around their necks
Cling to their skirts
All the wear and worry
Of struggles on their faces
What a treasure of goodness
And life shambles
Thru the streets
Abandoned, despised,
Charged the most, given
The worst
I love you for electing
Marcaronio, and him for being what he is
And for the rich deep vein
Of human feeling buried
Under your fire engines
Your poverty and your loves

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