Rembrandt, once again

 

Rembrandt Harmenszoon van Rijn, der Maler, der unter seinem Vornamen bekannt wurde, ist heute vor 342 Jahren gestorben. Im gleichen Jahr beschließt ➱Samuel Pepys sein wunderbares Tagebuch, da seine Sehkraft nachlässt. Ich hatte ja vor Monaten schon einmal über Rembrandt geschrieben, aber Google kann das plötzlich nicht mehr finden (doch, gerade geht es wieder, erstaunlich). Seit sie ihre neuen ➱Dynamic Views eingeführt haben, spielt das ganze Blogger System ein wenig verrückt. Ich beobachte das mit einem gewissen Amüsement. Falls Sie den Rembrandt Post verpasst haben sollten, lesen Sie ihn doch ➱hier noch einmal. Ist mit Liebe geschrieben. Wie eigentlich alles in diesem Blog.

Ich möchte dem damaligen Rembrandt Post noch einige Lesetips hinzufügen, ein klein wenig ausführlicher als am 15. Juli. Für den Fall, dass Sie alles über Rembrandt wissen wollen. Mein erster Tip heißt Gary Schwartz. Der ist in Brooklyn geboren, lebt aber schon mehr als sein halbes Leben in den Niederlanden. Er ist Kunsthistoriker und weit über Holland bekannt. Sein Rembrandt-Buch vereint alle persönlichen Ansichten aus einem Forscherleben mit den neuesten Ergebnissen der Rembrandt Forschung. Es wendet sich, und das erkennt man schon in seiner Aufmachung und dem Layout, nicht unbedingt an den Kunsthistoriker (obgleich der es natürlich auch lesen kann), sondern an jedermann, der an Rembrandt interessiert ist.

In dem Punkt konkurriert es ein wenig mit Simon Schamas exzellentem Buch Rembrandt’s Eyes. Aber so brillant Schama als Kulturhistoriker ist, er ist nun mal kein professioneller Kunsthistoriker wie Gary Schwartz. Und man merkt das leider bei seinen Büchern in kleinen Details, er schreibt zu viel und zu schnell. Früher hätte es für ein Gelehrtenleben ausgereicht, wenn man ein Buch wie ➱Landscape and Memory (meiner Meinung nach sein bestes Buch) geschrieben hätte. Aber Schama gibt sich damit nicht zufrieden. Je mehr ich von ihm lese, desto häufiger entdecke ich ihn bei kleinen Fehleren und kleinen Flusigkeiten, das ist sehr witzig. Das alles soll Rembrandt’s Eyes nicht abwerten, aber in vielen Dingen ist der Leser bei einem Kunsthistoriker wie Gary Schwartz besser aufgehoben.

Der will auch nicht den ganz großen kulturhistorischen Kontext wie Schama präsentieren, der ja eher eine Biographie Rembrandts (und von Rubens gleich mit) und der Niederlande schreibt. Obgleich Gesellschaft, sozialer Kontext und Auftraggeber für Schwartz in seiner Einführung in das Werk Rembrandts durchaus eine Rolle spielen. Schwartz konzentriert sich auf das Werk Rembrandts und behandelt Gemälde, Zeichnungen und Radierungen in sehr didaktischer Weise. So erläutert er zum Beispiel für den Laien, wie eine Radierung entsteht und all diese Dinge, die Kunstgeschichtsstudenten im Grundstudium lernen. Für alle Argumente in seiner Interpretation der Bilder hat er Illustrationen als Belege, sodass der Leser ihm jederzeit folgen kann. Und dabei gleichzeitig sehen lernt. Der Facettenreichtum des Buches ist außerordentlich, und die Qualität der 648 Abbildungen ist hervorragend. Es gibt eigentlich keine bessere Einführung in Rembrandts Werk.

Es gibt kürzeres (und preiswerteres) wie zum Beispiel die Bild-Biographie Rembrandt von Isabel Kuhl in der Reihe Prestel Art Guide. Was diese promovierte Kunsthistorikerin auf nur siebzig Seiten serviert, ist wirklich erstaunlich. Durchgehend farbige Illustrationen (die Radierungen sind natürlich einfarbig), eine Zeittafel, eine sehr gute kommentierte Literaturliste, ein Verzeichnis der Museen, in denen man Rembrandt Bilder sehen kann. Ideal für Manager, die keine Zeit haben. Oder für Kultusminister. Nein, im Ernst: das Büchlein bietet viel. Wer an einem Wochenende in einem Schnellkurs zum Rembrandtspezialisten werden will, kann das mit diesem kleinen Buch tun.

Noch mehr bietet natürlich derRembrandt Band der Rowohlts Bildmonographien. Seit Kurt Kusenberg bei Rowohlt 1958 diese Reihe begründet hat, sind in der ➱Reihe hunderte von Titeln erschienen. Rowohlts Monographien sind ein Muster an Demokratisierung des Wissens, preiswerter als eine ordentliche Pizza oder eine Kinokarte,hat die Süddeutsche Zeitung gesagt. In meinen Bücherregalen machen die Rowohlts Monographien einen Meter und zwanzig Zentimeter aus, ich gebe gerne zu, dass ich ihnen viel verdanke. 1977 erschien in der Reihe der Rembrandt Band von Christian Tümpel, der zum 400. Geburtstag Rembrandts vom Verfasser neu überarbeitet wurde. Das Buch wurde 25 Seiten länger und enthielt jetzt (wie alle neuen Titel in der Reihe) Farbabbildungen. Christian Tümpel ist sicherlich der bedeutendste deutsche Rembrandtforscher der neueren Zeit gewesen, und für diesen lächerlich niedrigen Preis von 8,50€ gibt es nichts Besseres. Es sei denn, Sie finden für den Preis auf einem Flohmarkt einen echten Rembrandt.

Am 4. Oktober 1669 ist Rembrandt gestorben. Die Beerdigung war vier Tage später, die Mitglieder der Malergilde sind anwesend. Das müssen sie sein, das steht so in ihrer Standesordnung, sie können sich allerdings von ihren Frauen vertreten lassen. Alles, was Rembrandt besitzt. wird am 5. Oktober 1669  von einem Notar aufgenommen. So wie damals bei seinem Konkurs ein Beamter des Magistrats fein säuberlich den ganzen Besitz aufgezeichnet hatte. Es ist nicht viel, aber es sind schon wieder drei Zimmer voller Bilder, das Sammeln hat er nie lassen können.

In seinen Selbstportraits altert Rembrandt vor unseren Augen. Und doch ist er uns nach mehreren Jahrhunderten immer näher gekommen. Wir können bei Google Rembrandt eingeben, und schon ist er da, wir brauchen nicht einmal seinen Namen korrekt zu schreiben. Was eines Tages kommen würde, hat sich Walter Benjamin sicher nicht träumen lassen, als er Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit schrieb. Ich auch nicht. Als ich vor vielen Jahren im Internet einen Artikel von einem australischen Kunsthistoriker las, dass man das Internet für die akademische Lehre nutzen könnte, fand ich das sehr komisch. Damals hießen Suchmaschinen noch web crawler und waren langsamer als die Ameisen in Altona auf der Chaussee. Mac hatte noch als Symbol eine Bombe, die einem sagte, dass gleich alles aus war. Sie erschien ziemlich häufig auf dem Bildschirm. Wenn man sich ein Bild hochladen wollte, konnte man sich erst einmal einen Tee kochen. Das hat sich alles geändert. Heute wäre selbst ich (und ich bin ein Computeridiot) in der Lage, in wenigen Tagen einen ganzen Internetkurs zu Rembrandt Harmenszoon van Rijn zu planen, mit Bildern.

Aber so schön diese bunte Welt aus dem Internet ist – wenn Sie es noch nicht gemacht haben sollten, spielen Sie doch mal ein wenig mit dieser ➱Seite – es geht doch nichts gegen ein richtig gutes Buch. Oder ein Bild von Rembrandt in einem Museum. Oder ein gutes Rembrandt Gedicht wie dies von der Engländerin Elizabeth Jennings, es heißt Rembrandt’s Late Self-Portraits:

You are confronted with yourself. Each year
The pouches fill, the skin is uglier.
You give it all unflinchingly. You stare
Into yourself, beyond. Your brush’s care
Runs with self-knowledge. Here


Is a humility at one with craft.
There is no arrogance. Pride is apart
From this self-scrutiny. You make light drift
The way you want. Your face is bruised and hurt
But there is still love left.


Love of the art and others. To the last
Experiment went on. You stared beyond
Your age, the times. You also plucked the past
And tempered it. Self-portraits understand,
And old age can divest,


With truthful changes, us of fear of death.
Look, a new anguish. There, the bloated nose,
The sadness and the joy. To paint’s to breathe,
And all the darknesses are dared. You chose
What each must reckon with.


Über jay

Literatur-Kunst-Film-Mode-undsoweiter
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